KI-gestützte Markenimitation wird zum Geschäftsrisiko für Unternehmen

Markenimitation macht in Deutschland 23 Prozent der Fälle von Messaging-Betrug aus und ist damit die dritthäufigste Betrugsart. Durch KI und kanalübergreifende Angriffsketten wird gefälschte Markenkommunikation immer glaubwürdiger. Das hat erhebliche Folgen für Unternehmen: 99 Prozent der betroffenen Verbraucher geben an, nach einem Betrugsfall keiner eingehenden Nachricht über Messaging-Kanäle mehr zu vertrauen. Der Schutz digitaler Kundenkanäle, der Reputation und langfristiger Kundenbeziehungen wird damit zur geschäftskritischen Aufgabe. Diese Ergebnisse gehen aus der aktuellen Kaspersky-Studie „The Great Messaging Heist – Exposing the global scam cartels exploiting everyday messages, 2026“ hervor.

Marken stehen vor einem wachsenden Geschäftsrisiko: Markenimitation. Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt, wie überzeugend Cyberkriminelle Unternehmensidentitäten nachahmen und Betrugsmaschen mithilfe von KI skalieren. Kunden können legitime und gefälschte Markenkommunikation immer schwerer unterscheiden. Für Unternehmen geht es damit um die Glaubwürdigkeit ihrer digitalen Kundenkanäle, ihre Reputation und die langfristige Kundenbeziehung.

In Deutschland zählt Markenimitation mit 23 Prozent zur dritthäufigsten Art von Messaging-Betrug, nach Betrug mit vorgetäuschten Lieferungen/Paketen mit 34 Prozent und Invest- oder Finanz-Betrug mit 30 Prozent. Über alle untersuchten Märkte hinweg geben nahezu alle Betroffenen (99 Prozent) an, nach einem Betrugsfall keiner eingehenden Benachrichtigung über Messaging-Kanäle mehr zu vertrauen. Damit verlieren genau jene digitalen Kanäle an Glaubwürdigkeit, über die Unternehmen Serviceinformationen, Sicherheitshinweise und transaktionsbezogene Mitteilungen an ihre Kunden senden.

 

Wiederholte Vorfälle verstärken das Misstrauen

Messaging-Betrug ist längst kein seltenes oder isoliertes Phänomen mehr. In Deutschland berichten knapp drei von zehn Betroffenen (29 Prozent), bereits drei- oder mehrmals betrogen worden zu sein. Bei den Befragten lag der jüngste Vorfall im Durchschnitt weniger als sechs Monate zurück. Wiederholte Vorfälle verfestigen dabei das Misstrauen – auch gegenüber den Unternehmen, deren Identität missbraucht wurde – und erhöhen den Handlungsdruck auf Markenverantwortliche.

Aus einzelnen Sicherheitsvorfällen wird so ein dauerhaftes Kommunikations- und Reputationsrisiko: Je häufiger eine Marke für Betrug missbraucht wird, desto schwieriger wird es für das Unternehmen, mit legitimen Nachrichten Vertrauen und Aufmerksamkeit zurückzugewinnen.

 

KI macht Markenimitation schneller und skalierbarer

Während Unternehmen Milliarden in KI investieren, um Kundenerlebnisse und Kommunikation zu verbessern, setzen Betrüger dieselbe Technologie für ihre kriminellen Zwecke ein. Sie erzeugen Interaktionen, die ebenso überzeugend, zeitlich passend und glaubwürdig wirken wie echte Markenkommunikation.

Cyberkriminelle nutzen KI, um ihre Angriffe mit hoher Geschwindigkeit und Präzision zu skalieren und zu verfeinern. In Deutschland glauben 52 Prozent der Betroffenen, dass die Nachricht in ihrem Betrugsfall mit KI verfasst wurde; 54 Prozent vermuten den Einsatz synthetischer Stimmen oder von Deepfake-Bildern. Dadurch können Betrüger Tonalität und Auftreten einer Marke immer glaubwürdiger nachbilden – und zwar auf unterschiedlichen Plattformen. Denn der Betrug findet auf genau den Kanälen statt, die Unternehmen für ihre Kundenkommunikation nutzen. In Deutschland beginnen 43 Prozent der Fälle auf WhatsApp, gefolgt von SMS/iMessage (41 Prozent) und Facebook (24 Prozent).

„Der sprunghafte Anstieg KI-gestützter Markenimitationen ist eine besonders raffinierte Form emotionaler Manipulation. Cyberkriminelle nutzen unser natürliches Vertrauen aus, indem sie Unternehmen, mit denen wir täglich interagieren, nahezu perfekt nachahmen. Mit falschen Warnmeldungen und künstlich erzeugtem Zeitdruck in Messaging-Apps missbrauchen diese Angreifer gezielt eine verbreitete Vertrauenslücke – und vermitteln selbst vorsichtigen Menschen ein trügerisches Gefühl von Sicherheit“, erklärt Robert Siciliano, Sicherheitsexperte und CEO von Protect Now. „Um Vertrauen zurückzugewinnen, müssen Unternehmen über einen reinen Basisschutz hinausgehen und proaktiv handeln. Sie sollten Informationslücken schließen, damit Kundinnen und Kunden subtile Warnzeichen erkennen, bevor sie zur Preisgabe sensibler Daten verleitet werden. Wenn wir den Schutz aller vor den Bildschirmen nicht grundlegend verbessern, werden Frustration und finanzielle Schäden durch KI-gestützte Angriffe die Sicherheit der gesamten digitalen Wirtschaft weiter untergraben.“

Emotionale Betrugsfolgen werden zum Reputationsrisiko

Für Unternehmen reichen die Folgen über den unmittelbaren finanziellen Verlust oder Datenverlust bei Betroffenen hinaus. Unmittelbar nach einem Betrugsfall fühlten sich in Deutschland 56 Prozent der Betroffenen bestürzt, 49 Prozent wütend und 37 Prozent hintergangen. Und diese Gefühle verschwinden nicht einfach: Im Durchschnitt waren rund sechs Monate später weiterhin 43 Prozent wütend, 38 Prozent bestürzt und 32 Prozent frustriert. Diese negativen Gefühle und Erlebnisse beeinträchtigen die Kundenbeziehung, denn sie werden häufig dauerhaft mit der imitierten Marke verknüpft. Das kann die Reputation langfristig beschädigen und die Wirkung späterer legitimer Kommunikation mindern.

„KI hat Markenimitationen so stark beschleunigt, dass das Vertrauen in alltägliche Nachrichten schleichend erodiert“, sagt Maria Isabel Manjarrez, Senior Security Researcher im Global Research & Analysis Team (GReAT) von Kaspersky. „Unsere Studie zeigt, dass es Menschen zunehmend schwerfällt, legitime von betrügerischen Nachrichten zu unterscheiden. Dadurch schwindet auch das Vertrauen in etablierte Marken. Dieselbe KI, die das Kundenerlebnis verbessert, wird zugleich gegen Verbraucherinnen und Verbraucher eingesetzt. Unternehmen müssen deshalb über die Reaktion auf einzelne Vorfälle hinausgehen und Prävention in den Mittelpunkt stellen – mit leistungsfähigeren Erkennungsfunktionen, klareren Kommunikationsregeln und einer kontinuierlichen Aufklärung ihrer Kunden.“

 

Kaspersky-Empfehlungen für Unternehmen

Kunden und Mitarbeiter regelmäßig für aktuelle Betrugsmaschen sensibilisieren und darüber informieren, wie sich entsprechende Nachrichten erkennen lassen. Schulungsprogramme wie Kaspersky-Security-Awareness  tragen dazu bei, das Cyberrisiko durch menschliches Fehlverhalten zu reduzieren.

Klare Regeln für die Kommunikation über Messaging-Plattformen definieren und transparent machen, welche Informationen oder Handlungen dort niemals angefordert werden. Für sensible Vorgänge und Transaktionen sollten Kunden konsequent auf verifizierte und vertrauenswürdige Kanäle verwiesen werden.
Markenmissbrauch über soziale Netzwerke, Online-Marktplätze sowie im Darknet kontinuierlich überwachen und verdächtige Aktivitäten frühzeitig erkennen. Entsprechende Monitoring- und Threat-Intelligence-Services unterstützen dabei, gefälschte Auftritte oder schädliche Inhalte zu identifizieren und leiten zeitnah Gegenmaßnahmen ein. Kaspersky-Takedown-Service unterstützt beispielsweise bei der Entfernung schädlicher Webseiten und Phishing-Domains.

Info: Weitere Details sind verfügbar im Kaspersky-Report „The Great Messaging Heist – Exposing the global scam cartels exploiting everyday messages, 2026“ unter: https://media.kasperskydaily.com/wp-content/uploads/sites/92/2026/05/27050022/The_Great_Messaging_Heist_Report_2026_by_Kaspersky.pdf

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