Mit zwei neuen Controller-Produkten will Scaleflux den steigenden Anforderungen an Speicherinfrastrukturen für KI- und Rechenzentren begegnen. Der Hersteller präsentierte während der von Netzpalaver besuchten IT Press Tour den NVMe-SSD-Controller „FC6116“ mit PCIe-Gen 6 sowie den CXL-Memory-Controller „MC600“. Gleichzeitig baut Scaleflux sein Geschäftsmodell aus: Statt ausschließlich komplette SSDs anzubieten, positioniert sich das Unternehmen zunehmend als Technologiepartner für individuelle Speicherlösungen.
Die steigenden Anforderungen von KI-Anwendungen betreffen nicht allein die Rechenleistung. Neben mehr Rechenkapazität benötigen KI-Systeme zusätzlichen Speicher, größere Kontextmengen und eine leistungsfähige Datenversorgung. Werden Daten nicht schnell genug bereitgestellt, können Beschleuniger wie GPUs ihre verfügbare Rechenleistung nicht vollständig ausschöpfen.
Scaleflux sieht deshalb Handlungsbedarf entlang der gesamten Datenpipeline. Das Unternehmen unterscheidet mehrere Speicherstufen: Systemspeicher, CXL-basierten Speicher, lokale SSDs, Speicher für KI-Kontextdaten und netzwerkgebundenen Speicher. Jede dieser Stufen stellt eigene Anforderungen an Datenbewegung, Latenz und Kapazität.
Nach Einschätzung des Unternehmens reicht es nicht aus, ausschließlich Prozessoren und Netzwerke zu beschleunigen. Auch die Speichercontroller müssen Daten effizient verarbeiten und transportieren. Andernfalls verlagern sich Engpässe lediglich innerhalb der Infrastruktur.
Dabei geht es nicht darum, sämtliche Daten möglichst schnell zwischen den Komponenten zu bewegen. Vielmehr soll die Verarbeitung dort stattfinden, wo sie sinnvoll ist. Werden bestimmte Operationen direkt auf dem Speichercontroller ausgeführt, müssen die betreffenden Daten nicht erst an CPU oder GPU übertragen werden. Das kann unnötige Datentransfers und den damit verbundenen Energieverbrauch reduzieren.
FC6116 und MC600 erweitern das Controller-Portfolio
Mit den beiden Controllern FC6116 und MC600 präsentiert Scaleflux zwei neue Produkte, die unterschiedliche Bereiche der Speicherinfrastruktur adressieren.
Der FC6116 ist eine NVMe-SSD-Lösung auf Basis von PCIe-Gen 6. Nach Angaben des Unternehmens enthält der Controller eigens entwickelte Technologien und befindet sich in der Bemusterung bei ausgewählten Kunden.
Mit dem MC600 stellte Scaleflux die zweite Generation seines CXL-Controllers vor. Er unterstützt CXL 3.2 und soll insbesondere Funktionen für Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Wartbarkeit (RAS) bereitstellen. Scaleflux verweist dabei auf eigene Entwicklungsarbeit sowie auf Kooperationen mit Nvidia, Hyperscalern und Speicherpartnern.
Beide Produkte befinden sich laut Präsentation in der Bemusterungsphase. Konkrete Leistungswerte oder detaillierte Ergebnisse aus produktiven Kundenumgebungen wurden in diesem Zusammenhang nicht genannt.
Computational-Storage gewinnt durch steigende Speicherkosten an Bedeutung
Computational-Storage gehört seit den frühen Jahren zum Portfolio von Scaleflux. Das Konzept verlagert bestimmte Rechenoperationen näher an den Speicher. Zu den ursprünglich adressierten Aufgaben zählen Datenfilterung, Datenbanksuche, Kompression und Verschlüsselung.
Der Markt für solche Lösungen sei zunächst vergleichsweise klein und spezialisiert gewesen, erklärte das Unternehmen. Mit steigenden Speicheranforderungen und höheren Kosten für Speicherressourcen gewinne das Konzept jedoch an Bedeutung. Insbesondere Kompression könne dazu beitragen, die Gesamtkosten einer Infrastruktur (Total Cost of Ownership, TCO) zu senken.
Darüber hinaus entwickelt sich das Einsatzspektrum weiter. Scaleflux nennt unter anderem die Beschleunigung von Vektorberechnungen und die Datenaufbereitung für KI-Anwendungen als mögliche Einsatzfelder.
Die zugrunde liegende Idee bleibt, unnötige Datenbewegungen zu vermeiden und geeignete Verarbeitungsschritte direkt auf der Speicherebene auszuführen. Welche Funktionen sich dafür eignen, hängt von der jeweiligen Anwendung und der übrigen Infrastruktur ab.
Vom SSD-Hersteller zum Technologiepartner
Eine wesentliche Veränderung betrifft das Geschäftsmodell. Scaleflux begann mit der Entwicklung eigener Controller und bot später auch komplette Speicherlaufwerke an. Inzwischen will das Unternehmen seine Technologie stärker über ein Partnerökosystem bereitstellen.
Dazu gehören Controller-Chips, Firmware und Unterstützung bei der Entwicklung kundenspezifischer SSDs. Scaleflux arbeitet nach eigenen Angaben mit NAND- und DRAM-Herstellern sowie mit Auftragsfertigern zusammen. Kunden können dabei eigene Fertigungspartner einbringen oder auf das bestehende Netzwerk des Unternehmens zurückgreifen.
Das Ziel ist, Speicherlösungen anhand der konkreten Anforderungen einer Anwendung zusammenzustellen, statt Kunden auf wenige standardisierte SSD-Konfigurationen zu beschränken. Kapazität, Bauform, Firmware und weitere Eigenschaften sollen sich an den jeweiligen Einsatzbedingungen orientieren lassen.
Scaleflux bezeichnet dieses Modell als einen von der eigenen Technologie angetriebenen Lösungsansatz. Das Unternehmen stellt dabei die Controller-Technologie und die Firmware bereit, während Partner weitere Komponenten integrieren und die Fertigung übernehmen können.
Ein weiterer Vorteil soll die größere Flexibilität bei der Beschaffung sein. Angesichts begrenzter Verfügbarkeit von Speicherkomponenten können alternative Fertigungs- und Lieferwege für Unternehmen relevant werden. Scaleflux sieht sich hier als Vermittler zwischen Speicherherstellern, Auftragsfertigern und Systemanbietern.
Enterprise-Anforderungen erfordern spezialisierte Lösungen
Neben KI-Systemen adressiert Scaleflux klassische Enterprise- und Cloud-Infrastrukturen. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Einsatzbereich deutlich: Während KI-Training auf eine schnelle Speicherung und Wiederbereitstellung von Checkpoints angewiesen ist, spielen bei der Inferenz niedrige Latenzen und hohe IOPS-Werte eine wichtige Rolle.
Hyperscaler achten laut der Präsentation zudem auf eine möglichst gleichmäßige Leistung ihrer global verteilten Infrastruktur. Unternehmenskunden legen besonderen Wert auf vorhersehbare Performance und Zuverlässigkeit.
Ein weiterer Bereich sind Enterprise-Boot-SSDs für Server und Rechenzentren. Scaleflux betont, dass sich solche Laufwerke nicht einfach durch eine angepasste Client-SSD ersetzen lassen. Anforderungen an Sicherheit, Latenz und Hochverfügbarkeit erfordern demnach speziell entwickelte Controller- und Firmware-Lösungen.
Das Unternehmen sieht deshalb Bedarf an einem breiteren Portfolio, das neben leistungsorientierten SSDs auch Mainstream-, Kapazitäts- und Boot-Lösungen umfasst.
Speichercontroller als Baustein der KI-Infrastruktur
Scaleflux verfolgt damit einen Ansatz, bei dem die Optimierung der Datenpipeline nicht auf Prozessoren oder Netzwerke beschränkt bleibt. Controller, Firmware und die Integration verschiedener Speicherkomponenten sollen dazu beitragen, Daten effizienter zu bewegen und geeignete Verarbeitungsschritte näher am Speicher auszuführen. Mit dem FC6116 und dem MC600 erweitert das Unternehmen sein Angebot sowohl im Bereich schneller NVMe-SSDs als auch bei CXL-basiertem Speicher.
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