VergeIO integriert sein Infrastruktur-Betriebssystem „VergeOS“ in Veeam-Backup & Replication 13.1. Damit können Unternehmen ihre virtualisierten Workloads über die etablierte Backup-Plattform sichern und wiederherstellen. Die Integration soll insbesondere den Wechsel von VMware zu alternativen Virtualisierungsplattformen vereinfachen.
VergeIO hat im August 2026 die offizielle Unterstützung von VergeOS durch Veeam-Backup & Replication bekannt gegeben. Die Integration erfolgt über das Veeam-Plug-in für die Universal-Hypervisor-API. VergeOS lässt sich damit direkt in der Veeam-Konsole als unterstützte Virtualisierungsplattform auswählen. Zusätzliche Treiber oder individuelle Workarounds sind laut VergeIO, wie das Unternehmen während der von Netzpalaver besuchten IT Press Tour betonte, nicht erforderlich.
Die Neuerung adressiert eine zentrale Frage bei der Modernisierung virtualisierter IT-Infrastrukturen: Wie lassen sich bestehende Backup- und Wiederherstellungsprozesse weiterverwenden, wenn Unternehmen ihre bisherige Virtualisierungsplattform ablösen? Durch die offizielle Integration können Organisationen VergeOS-Workloads mit Veeam schützen, ohne dafür einen separaten, individuell entwickelten Backup-Prozess aufbauen zu müssen.
Direkte Integration über die Universal-Hypervisor-API
Die technische Grundlage bildet die Universal-Hypervisor-API von Veeam. Über diese Schnittstelle lassen sich zusätzliche Virtualisierungsplattformen in die Backup-Umgebung integrieren. Die neue Anbindung ersetzt den zuvor von VergeIO genutzten Ansatz über den oVirt-KVM-Treiber. VergeOS wird nun direkt in Veeam als eigene Plattform geführt. Voraussetzung ist Veeam Backup & Replication 13.1, mindestens in Build 13.1.0.411, in Verbindung mit VergeOS 26.1.7 oder höher. Die Integration erfolgt über das mit Veeam 13.1 ausgelieferte Plug-in für VergeOS.
Administratoren nehmen die Einbindung über die Veeam-Konsole vor. Dazu wird der VergeOS-Manager im Bereich für Virtualisierungsplattformen als Server hinzugefügt. Anschließend lassen sich Backup-Aufträge wie bei anderen unterstützten Plattformen einrichten.
Unterstützt werden unter anderem inkrementelle Backups auf Basis von Changed-Block-Tracking (CBT), Backup-Scans, plattformübergreifende Wiederherstellungen, das schreibgeschützte Einbinden von Datenträgern unter Windows und Linux sowie die Wiederherstellung einzelner Dateien. Hinzu kommen der Export in die Formate VHD, VHDX und VMDK sowie die Wiederherstellung von Anwendungselementen für Oracle, Active-Directory, Sharepoint, Exchange und SQL.
Infrastrukturweite Ausfallsicherheit und granularer Backup-Schutz
VergeIO positioniert die Integration nicht als Ersatz für die bereits in VergeOS enthaltenen Schutzmechanismen. Vielmehr sollen beide Plattformen unterschiedliche Ebenen der Datensicherung abdecken.
VergeOS bündelt Virtualisierung, Storage und Netzwerk in einer gemeinsamen Infrastrukturplattform. Die integrierten Funktionen adressieren insbesondere die Wiederherstellung auf Infrastruktur-Ebene. Dazu gehören Snapshots virtueller Rechenzentren, standortübergreifende Replikation über „ioReplicate“, unveränderliche Wiederherstellungspunkte mit „ioFortify“ sowie die Abfederung von Node-Ausfällen durch „ioGuardian“.
Veeam ergänzt diese Funktionen durch den granularen Schutz einzelner Workloads. Dazu zählen die Wiederherstellung von Dateien, Anwendungen und Datenbanken sowie die Umsetzung langfristiger Aufbewahrungsrichtlinien und bestehender Recovery-Prozesse.
Die beiden Ebenen verfolgen damit unterschiedliche Ziele: Während VergeOS die Wiederherstellung größerer Infrastrukturkomponenten und kompletter virtueller Rechenzentren adressiert, übernimmt Veeam die detaillierte Sicherung und Wiederherstellung einzelner Daten und Anwendungen.
VMware-Ablösung ohne separates Backup-Migrationsprojekt
Für Unternehmen, die einen Wechsel von VMware prüfen, gehört die Absicherung der Daten zu den wesentlichen betrieblichen Anforderungen. Eine neue Virtualisierungsplattform muss nicht nur die Workloads ausführen können, sondern auch in bestehende Backup-, Recovery- und Aufbewahrungsprozesse passen.
Die direkte Unterstützung durch Veeam soll diese Hürde reduzieren. Unternehmen können ihre Virtualisierungsinfrastruktur modernisieren und dabei auf eine bereits etablierte Backup-Plattform zurückgreifen. Damit entfällt zumindest die Notwendigkeit, für die grundlegende Einbindung von VergeOS einen eigenen Integrationspfad zu entwickeln.
VergeIO verweist außerdem darauf, dass VergeOS auf vorhandener Serverhardware betrieben werden kann. Die Plattform soll damit einen Wechsel ermöglichen, ohne zwangsläufig eine parallele Hardware-Erneuerung auszulösen. Eine integrierte globale Inline-Deduplizierung soll zudem den Speicherbedarf reduzieren und die Nutzungsdauer bestehender Hardware verlängern.
Virtualisierung – Grenzen der Integration
Die offizielle Unterstützung umfasst nicht sämtliche Funktionen, die Veeam für andere Virtualisierungsplattformen anbietet. Laut VergeIO sind VM-Replikation über Veeam und Continuous-Data-Protection (CDP) für VergeOS in Version 13.1 nicht verfügbar. Für die standortübergreifende Replikation stellt VergeOS mit „ioReplicate“ eine eigene Funktion auf Infrastrukturebene bereit.
Auch als Zielplattform für Instant-Recovery ist VergeOS nicht vorgesehen. Veeam unterstützt in diesem Szenario Wiederherstellungen aus VergeOS-Backups auf vSphere, Hyper-V, Nutanix-AHV und Proxmox-VE; die Proxmox-Unterstützung ist laut Herstellerangaben als experimentell gekennzeichnet.
Unternehmen sollten daher vor der Migration prüfen, welche Backup- und Wiederherstellungsfunktionen sie tatsächlich benötigen und welche davon durch Veeam beziehungsweise durch die integrierten VergeOS-Funktionen abgedeckt werden.
Fazit
Die Integration von VergeOS in Veeam-Backup & Replication erleichtert Unternehmen die Einbindung einer alternativen Virtualisierungsplattform in bestehende Datensicherungsprozesse. Besonders für Organisationen, die ihre VMware-Infrastruktur ablösen wollen, ist die direkte Unterstützung relevant: Backup und Wiederherstellung müssen dadurch nicht grundsätzlich als separates Migrationsprojekt neu aufgebaut werden.
Entscheidend bleibt die Abgrenzung der jeweiligen Funktionen. VergeOS adressiert die Ausfallsicherheit und Wiederherstellung auf Infrastrukturebene, während Veeam den granularen Schutz von Dateien, Anwendungen und Datenbanken ergänzt. Vor einer Umstellung sollten Unternehmen deshalb die unterstützten Funktionen und Einschränkungen mit ihren konkreten Recovery-Anforderungen abgleichen.
#VergeIO










