Cyberattacke auf den Europarat

Shane Barney, Chief Information Security Officer bei Keeper Security

Der Europarat, das älteste zwischenstaatliche Gremium des Kontinents, untersucht derzeit eine Cyberattacke, auf die die Erpressergruppe „ShinyHunters“ Anspruch erhoben hat. Die Erpressergruppe droht damit, 297 GByte an Daten zu veröffentlichen, die angeblich dem Europarat gestohlen wurden, darunter auch personenbezogene Daten von Mitarbeitern. Ein Kommentar von Shane Barney, CISO von Keeper Security

„Die mutmaßliche Cyberattacke auf den Europarat, eine Institution, die 46 Mitgliedstaaten und über 700 Millionen Menschen vertritt, macht deutlich, dass keine Organisation, wie prominent oder ressourcenstark sie auch sein mag, vor ausgeklügelten Erpressungskampagnen gefeit ist. Dies ist bereits die zweite große EU-Institution, die Shinyhunters im Jahr 2026 angegriffen hat, nachdem im März bereits ein Angriff auf die Cloud-Infrastruktur der Europäischen Kommission bestätigt worden war. Zwei Angriffe auf bedeutende europäische Institutionen innerhalb von vier Monaten stellen ein Muster dar, keinen Zufall.

Die behauptete Entwendung von Gehaltsabrechnungen aus 15 Jahren, Bankkontodaten, medizinischen Informationen und Personalakten von mehr als 10.000 Mitarbeitern umfasst eine erhebliche Menge sensibler Daten. Ein solches Volumen und eine solche Vielfalt an Daten sammeln sich nicht zufällig an einem einzigen zugänglichen Ort an. Diese Daten entsprechen genau dem, worauf es den Angreifern ankommt und ihr Wert reicht weit über den Datenleck selbst hinaus. Finanzdaten ermöglichen Betrug. Persönliche Identifikationsmerkmale ermöglichen Identitätsdiebstahl. Medizinische Unterlagen haben ihr eigenes Gewicht. Kombiniert in einem einzigen Datenabfluss kann der Schaden für die betroffenen Personen über Jahre hinweg anhalten. Personal- und Gehaltsabrechnungssysteme befinden sich an der Schnittstelle all dieser Bereiche. Dennoch behandeln Unternehmen sie routinemäßig als administrative Infrastruktur und nicht als die hochwertigen Ziele, zu denen sie geworden sind.

Die Studie von Keeper aus dem Jahr 2026 ergab, dass 22 Prozent der französischen und 25 Prozent der deutschen Unternehmen schwache Anmeldedaten und mangelhaftes Passwortmanagement als anerkannte Lücke in ihrem Cybersicherheitsprogramm identifizierten. Shinyhunters hat konsequent Plattformen und Integrationspunkte ins Visier genommen, bei denen die Zugriffskontrolle nicht mit dem Risiko des Unternehmens Schritt gehalten hat. Der konkrete Angriffspunkt wird derzeit noch untersucht, doch das Ausmaß des mutmaßlichen Datenabflusses lässt darauf schließen, dass der Zugriff auf sensible Datenbestände nicht ausreichend eingeschränkt oder kontinuierlich überwacht wurde. Dies ist ein Problem für Europa insgesamt, denn die Untersuchung von Keeper zeigt, dass 77 Prozent der französischen und 76 Prozent der deutschen Unternehmen nicht in der Lage sind, den Missbrauch von Zugangsdaten in Echtzeit zu erkennen. Zum Zeitpunkt der Identifikation des Zugangsmissbrauchs ist der Schaden also bereits angerichtet.“

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