Backup vorhanden – aber funktioniert auch der Restore?

Ein Backup allein schützt noch nicht vor einem Totalausfall. Entscheidend ist, ob sich die gesicherten Daten nach einem Ransomware-Angriff tatsächlich wiederherstellen lassen. Genau hier liegt ein Risiko, das viele Unternehmen unterschätzen.

Im Netzpalaver-Interview zum Cybersecurity-Awareness-Month erklärt Kai Hambrecht von Grau Data, warum Backups zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen geraten und weshalb getestete, unveränderbare Datensicherungen für die Cyberresilienz unverzichtbar sind.

Dabei geht es um mehr als reine Datensicherung: Digitale Souveränität bedeutet auch, die Kontrolle über die eigenen Backups zu behalten. Hambrecht erläutert, worauf Unternehmen beim Schutz ihrer Backup-Infrastruktur achten sollten – von unveränderbaren Sicherungen und getrennten Sicherheitsbereichen bis zur erweiterten 3-2-1-1-0-Regel. Seine zentrale Botschaft: Backups prüfen, Wiederherstellungen testen und sicherstellen, dass die letzte Verteidigungslinie im Ernstfall wirklich hält.

 

Netzpalaver: Herr Hambrecht, Oktober ist Cybersecurity Awareness Month. Ihre wichtigste Frage an Unternehmen lautet?

Kai Hambrecht: Meine Frage lautet: Sie haben ein Backup – aber haben Sie auch einen Restore? Und damit einhergehend, haben Sie den Restore auch getestet? Sind Ihre Backups im Ernstfall wirklich verfügbar? Viele Unternehmen verlassen sich auf ihre Datensicherungen – bis zum Tag, an dem sie sie brauchen. Und dann stellt sich heraus: Gesichert hat man viel, wiederherstellen kann man womöglich wenig oder nichts.

 

Netzpalaver: Wie groß ist die Gefahr wirklich, dass Ransomware gezielt Backups angreift?

Kai Hambrecht: Die Gefahr ist real und messbar. Nach dem Veeam-Ransomware-Report von 2025 wird in 89 Prozent aller Cyberangriffe auch das Backup angegriffen. Auch das BSI stuft Ransomware seit Jahren als eine der größten Bedrohungen für Organisationen ein – und betont immer wieder: Getestete, unveränderbare Backups sind die entscheidende Grundlage, um nach einem Angriff wieder handlungsfähig zu sein. Das Ziel ist eine cyberresiliente Infrastruktur – und dazu gehört zwingend ein auch Angriffsschutz für die Backups.

 

Netzpalaver: Was bedeutet in diesem Zusammenhang „digitale Souveränität“?

Kai Hambrecht: Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat „digitale Souveränität“ einmal definiert als die Fähigkeit von Individuen und Institutionen, ihre Rolle in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können. Also ganz kurz formuliert: „Meine Daten, meine Regeln.“ Übertragen aufs Backup heißt das: Egal, wo die Server stehen oder woher die Software kommt – die Kontrolle über das eigene Backup muss beim Unternehmen selbst bleiben. Mit eigener Infrastruktur oder einem verlässlichen Partner, aber niemals abhängig von Dritten.

 

Netzpalaver: Und wie sieht ein Backup-Schutz konkret aus, der diesen Ansprüchen gerecht wird?

Kai Hambrecht: Es sind drei Kernanforderungen. Erstens: Unveränderliche Backups – einmal erstellt, müssen die Sicherungen unveränderbar sein. Zweitens: Getrennte Sicherheitsbereiche – die Backup-Systeme brauchen eigene Zugriffsstrukturen, damit ein Angreifer nicht mit einem einzigen kompromittierten Zugang alles erreichen kann. Und drittens die erweiterte 3-2-1-1-0-Regel: drei Datenkopien, auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, eine Kopie extern, eine Kopie immutable – und die Null steht für null ungeprüfte Backups. Backups sind die Last Line of Defense. Wenn alles andere gefallen ist, entscheidet allein die letzte intakte Sicherung darüber, wie oder ob ein Unternehmen den Angriff übersteht.

 

Netzpalaver: Zum Abschluss: Was geben Sie den Zuschauern für den Cybersecurity-Awareness-Month mit?

Kai Hambrecht: Prüfen Sie Ihre Backups, testen Sie Ihre Restores und sorgen Sie dafür, dass Ihre Sicherungen unveränderbar und unter Ihrer eigenen Kontrolle sind. Denn im Ernstfall entscheidet nicht die Firewall oder ein Endpoint-Schutz – sondern das Backup als die letzte Verteidigungslinie.

 

Statement von Karl Hambrecht, Leiter Service und Support bei GRAU DATA GmbH

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