
Daten in Europa zu speichern macht Unternehmen noch lange nicht digital souverän. Im Gespräch mit Netzpalaver erläutert Pantelis Astenburg, Vice President of Sales DACH bei Versa, warum echte digitale Souveränität weit über den Speicherort von Daten hinausgeht, welche Rolle SASE-Architekturen für Sicherheit und Compliance spielen und weshalb Unternehmen angesichts von NIS2, DORA und geopolitischen Risiken zunehmend die Kontrolle über ihre gesamte Sicherheitsinfrastruktur zurückgewinnen müssen. Zudem gibt er Einblicke in die Zusammenarbeit mit Noris Network und zeigt, wie souveräne Cybersecurity-Lösungen künftig auch für den Mittelstand erreichbar werden.
Netzpalaver: „Digitale Souveränität“ ist das Buzzword des Jahres, von der IT bis in die Politik. Was steckt dahinter und woran erkennt man „echte“ Souveränität?
Pantelis Astenburg: Digitale Souveränität bedeutet, dass Unternehmen und Organisationen die volle Kontrolle über ihre digitalen Ressourcen behalten. Das geht weit über die reine Datenspeicherung in einem bestimmten Land hinaus. Entscheidend ist, wer die Kontrolle über die Daten, die Sicherheitsrichtlinien und den Betrieb der Plattform hat und welcher Gerichtsbarkeit diese Komponenten unterliegen. Viele Angebote speichern Daten zwar lokal, Management- und Steuerungsebenen verbleiben jedoch außerhalb der EU oder unterliegen außereuropäischen Rechtsräumen.
Für uns umfasst echte digitale Souveränität vier Ebenen: die Datenebene, die Steuerungsebene, die Managementebene und die rechtliche Zuständigkeit. Erst wenn Datenverkehrsprüfung, Richtliniendurchsetzung, Identitäts- und Zugriffsentscheidungen sowie Plattformbetrieb innerhalb der souveränen Umgebung erfolgen und dem europäischen Rechtsrahmen unterliegen, können Unternehmen von echter digitaler Souveränität sprechen.
Netzpalaver: An wen richtet sich das neue Angebot?

Pantelis Astenburg: Unser Angebot richtet sich an Unternehmen jeder Größe, die ihre Cybersecurity modernisieren und gleichzeitig höchste Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Resilienz erfüllen müssen. Besonders relevant ist dies für regulierte Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und öffentliche Verwaltung sowie für Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Bislang waren der Aufbau und Betrieb einer eigenen souveränen Sicherheitsinfrastruktur vor allem großen Unternehmen vorbehalten, da dies erhebliche Investitionen und Spezialwissen erforderte. Mit unserem Managed-Service-Angebot schließen wir die Lücke und machen eine vollständig souveräne SASE-Architektur nun auch für mittelständische und kleinere Organisationen zugänglich.
Netzpalaver: Was sind die Treiber für digitale Souveränität?
Pantelis Astenburg: Digitale Souveränität ist heute sowohl eine geopolitische als auch eine regulatorische Notwendigkeit. Unternehmen sehen sich einer zunehmend unsicheren geopolitischen Lage, steigenden Cyberrisiken und der Frage gegenüber, wer im Ernstfall Zugriff auf ihre Daten und Sicherheitsinfrastrukturen hat.
Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen erheblich. Vorgaben wie NIS2, DORA und der Cyber-Resilience-Act verlangen von Unternehmen ein deutlich höheres Maß an Transparenz, Kontrolle und Resilienz. Viele Organisationen erkennen daher, dass sie nicht nur ihre Daten schützen, sondern auch die Kontrolle über Sicherheitsentscheidungen und Betriebsprozesse in einer vertrauenswürdigen und rechtskonformen Umgebung behalten müssen.
Netzpalaver: Was sind die Vorteile einer souveränen SASE-Lösung?
Pantelis Astenburg: Eine souveräne SASE-Lösung verbindet zwei zentrale Anforderungen moderner Unternehmen: erstklassige Cybersecurity und digitale Souveränität. SASE vereint Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen auf einer einheitlichen Cloud-Plattform. Dadurch können Unternehmen Anwender, Standorte und Anwendungen konsistent absichern.
Die Integration von Zero-Trust-Zugriff, Bedrohungserkennung, Inhaltsfilterung und zentralem Richtlinienmanagement erhöht die Sicherheit, reduziert die Komplexität und vereinfacht den Betrieb erheblich. Die souveräne Ausgestaltung sorgt zusätzlich dafür, dass Datenverkehr, Sicherheitsrichtlinien und Managementprozesse innerhalb einer vertrauenswürdigen europäischen Umgebung verbleiben und europäischen Rechts- und Compliance-Anforderungen entsprechen.
Netzpalaver: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Noris Network und wie gestaltet sich diese?

Pantelis Astenburg: Wir sehen im Markt einen stark steigenden Bedarf an Sicherheitslösungen, die sowohl modernste Cybersecurity-Funktionen als auch echte digitale Souveränität bieten. Dafür benötigen Unternehmen nicht nur eine leistungsfähige SASE-Plattform, sondern auch eine vertrauenswürdige, hochsichere Infrastruktur in Europa.
Mit Noris Network haben wir einen Partner gefunden, der genau diese Voraussetzungen erfüllt. Die Noris-Sovereign-Cloud und deren modernen deutschen Rechenzentren bilden die Grundlage dafür, unsere vollständig souveräne SASE-Lösung als Managed-Service bereitzustellen. Versa liefert die integrierte Netzwerk- und Sicherheitsplattform mit Zero-Trust- und KI-gestützten Sicherheitsfunktionen, während Noris Network die hochsichere, rechtskonforme Infrastruktur in Deutschland bereitstellt. Gemeinsam ermöglichen wir Unternehmen jeder Größe den Zugang zu echter digitaler Souveränität, ohne die Komplexität und die Investitionen, die der Aufbau einer eigenen souveränen Infrastruktur erfordern würde.
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