6 Milliarden gestohlene Passwörter – Warum Unternehmen 2026 noch immer dieselben Fehler machen

Trotz jahrelanger Security-Awareness-Kampagnen, komplexer Passwortregeln und wachsender MFA-Verbreitung bleibt eine der ältesten Schwachstellen der IT erschreckend aktuell: schwache und wiederverwendete Passwörter. Der aktuelle „2026 Breached Password Report“ von Specops Software analysiert mehr als sechs Milliarden durch Malware gestohlene Zugangsdaten – und zeichnet ein alarmierendes Bild moderner Identitätssicherheit.

Die zentrale Erkenntnis: Nicht Brute-Force-Angriffe sind heute das größte Problem, sondern massenhaft abgegriffene und wiederverwendete Zugangsdaten aus Infostealer-Malware, Datenlecks und Untergrund-Marktplätzen.

Die beliebtesten Passwörter bleiben erschreckend banal

Auch 2026 dominieren weiterhin triviale Kombinationen die Listen kompromittierter Passwörter:

  • „123456“
  • „123456789“
  • „12345678“

Besonders problematisch: Viele kompromittierte Kennwörter erfüllen inzwischen sogar klassische Komplexitätsanforderungen. Sie enthalten Großbuchstaben, Zahlen oder Sonderzeichen – folgen aber weiterhin vorhersehbaren Mustern.

Die Studie zeigt außerdem:

  • Achtstellige Passwörter waren mit rund 1,1 Milliarden kompromittierten Kennwörtern die häufigste Kategorie.
  • Begriffe wie „admin“, „password“, „welcome“, „student“ oder „qwerty“ tauchen weiterhin millionenfach auf.

Damit bestätigt sich ein Problem, das Security-Teams seit Jahren kennen: Nutzer orientieren sich stärker an Merkfähigkeit als an tatsächlicher Entropie.

Infostealer-Malware verändert die Bedrohungslage

Besonders auffällig ist die Rolle moderner Infostealer-Malware. Laut Specops gehörte die Malware-Familie „LummaC2“ 2025 zu den aktivsten Werkzeugen beim Diebstahl von Zugangsdaten und war für über 60 Millionen kompromittierte Credentials verantwortlich.

Das verändert die Dynamik von Passwortsicherheit fundamental.

Früher standen Passwort-Policies primär im Zeichen der Passwortstärke gegen Brute-Force- oder Dictionary-Angriffe. Heute werden Passwörter jedoch oft gar nicht mehr „geknackt“ – sie werden direkt von kompromittierten Endgeräten abgesaugt, aggregiert und automatisiert weiterverwendet.

Specops formuliert es deutlich: „Die Passwörter werden nicht geknackt – sie werden gestohlen, gesammelt und in großem Maßstab wiederverwendet.“

Warum klassische Passwortregeln zunehmend versagen

Der Bericht offenbart ein strukturelles Problem moderner Passwortpolitik: Viele Unternehmen setzen weiterhin auf starre Komplexitätsregeln statt auf tatsächliche Resilienz.

Genau das kritisieren inzwischen auch Security-Communities und Forscher. Diskussionen auf Reddit zeigen, dass vermeintlich „starke“ Kennwörter häufig hochgradig vorhersehbar bleiben:

  • Großbuchstabe am Anfang,
  • Sonderzeichen am Ende,
  • Jahreszahl oder „123“ als Zusatz.

Ein Beispiel aus den Analysen:

  • „Dragon!2023“ galt in vielen Passwort-Checkern als „sehr stark“, tauchte jedoch mehrfach in kompromittierten Datenbanken auf.
  • Eine lange Passphrase wie „correcthorsebatterystaple“ oder ähnliche Wortkombinationen erwiesen sich dagegen als deutlich widerstandsfähiger.

Damit verschiebt sich die Diskussion weg von klassischer Komplexität hin zu:

  • Passwortlänge,
  • Einzigartigkeit,
  • und kompromittierungsbasierter Validierung.

Passwort-Wiederverwendung bleibt der eigentliche Brandbeschleuniger

Besonders gefährlich bleibt Credential-Reuse. Bereits ältere akademische Untersuchungen zeigen, dass Nutzer Passwörter häufig mehrfach verwenden oder nur minimal verändern.

In Kombination mit modernen Credential-Stuffing-Angriffen entsteht daraus ein massives Risiko:

  • Ein kompromittierter Streaming-Dienst,
  • ein geleakter Gaming-Account,
  • oder ein infiziertes Privatgerät

können direkten Zugriff auf Unternehmenskonten ermöglichen – selbst dann, wenn die Unternehmenssysteme selbst nie kompromittiert wurden.

Gerade Active-Directory-Umgebungen geraten dadurch zunehmend ins Visier. Genau hier setzt Specops mit seinem Report an: Unternehmen fehlt häufig die Transparenz darüber, welche kompromittierten Passwörter bereits intern verwendet werden.

Passkeys lösen das Problem noch nicht sofort

Zwar wächst die Verbreitung von Passkeys und FIDO2-basierter Authentifizierung, doch klassische Passwörter dominieren weiterhin große Teile der Unternehmensrealität. Laut aktuellen Sicherheitsanalysen bleiben kompromittierte Zugangsdaten einer der häufigsten Initial-Access-Vectors moderner Angriffe.

Das bedeutet: Die Übergangsphase wird besonders gefährlich. Unternehmen müssen aktuell gleichzeitig:

  • klassische Passwörter absichern,
  • MFA etablieren,
  • Passkey-Strategien entwickeln,
  • und kompromittierte Credentials kontinuierlich überwachen.

Die eigentliche Lektion: Passwortsicherheit ist heute Threat-Intelligence

Der vielleicht wichtigste Punkt des Reports liegt jedoch tiefer: Passwortsicherheit ist längst kein reines IAM- oder Compliance-Thema mehr. Wer heute Passwortschutz ausschließlich über Mindestlängen und Sonderzeichen definiert, ignoriert die Realität moderner Angriffe. Entscheidend wird vielmehr:

  • kontinuierliche Prüfung gegen Breach-Datenbanken,
  • Echtzeit-Erkennung kompromittierter Credentials,
  • adaptive Policies,
  • und eine Zero-Trust-Strategie für Identitäten.

Denn die Zahlen zeigen deutlich:
Selbst „starke“ Passwörter sind wertlos, wenn sie bereits gestohlen wurden.

Fazit: Das Passwortproblem ist nicht gelöst – es verändert sich nur

Der Specops-Report zeigt eindrucksvoll, dass die Branche ein fundamentales Missverständnis lange nicht überwunden hat: Sicherheit entsteht nicht durch komplizierte Passwörter allein. Die eigentliche Gefahr liegt heute in:

  • automatisiertem Credential-Harvesting,
  • Malware-basiertem Diebstahl,
  • massiver Passwortaggregation,
  • und Wiederverwendung über unzählige Plattformen hinweg.

Mit anderen Worten: Das Passwort stirbt nicht plötzlich aus – es wird langsam zum permanent kompromittierten Sicherheitsfaktor. Unternehmen müssen deshalb aufhören, Passwörter als statische Zugangsdaten zu behandeln. Sie sind längst Teil eines dynamischen Bedrohungsökosystems geworden.

#Specops