Der 14. April ist Weltquantentag, abgeleitet von den ersten drei Ziffern der gerundeten Planck-Konstante 4.14×10−15 eV·s, was im englischen Datumsformat den 14. April ergibt. Aus diesem Anlass betont Utimaco, dass Quantencomputing ein zweischneidiges Schwert ist – zum einen verspricht die Technologie neue Durchbrüche in Wissenschaft und Forschung, auf der anderen Seite kann sie in den falschen Händen gefährlich für heutige Verschlüsselungssysteme werden. Unternehmen sollten sich daher bereits jetzt auf dieses Szenario vorbereiten, fordert Nils Gerhardt, CTO bei Utimaco.
Am 14. April wird wieder der Weltquantentag begangen. Zwar ist das Thema Quantencomputing in der deutschen Wirtschaft angekommen – laut einer Bitkom-Studie haben 100 Prozent der Unternehmen bereits davon gehört – doch die operative Verankerung hinkt weit hinterher und birgt damit das Risiko den Wirtschaftsstandort zu gefährden. Die Studie besagt, dass 43 Prozent der Firmen auch ein großes Risiko für ihre IT-Sicherheit durch Quantencomputer sehen und 64 Prozent wählen somit eine riskante „Wait-and-See“-Haltung und wollen erst die Erfahrungen anderer abwarten. Erschreckenderweise haben jedoch 34 Prozent der Unternehmen noch keinerlei vorbereitende Maßnahmen ergriffen, um ihre Daten langfristig zu schützen.
Deswegen dient der Weltquantentag dazu das Thema Quantencomputing in den Vordergrund zu rücken – der 14. April ist abgeleitet von den ersten drei Ziffern der gerundeten Planck-Konstante 4.14×10−15 eV·s, was im englischen Datumsformat den 14. April ergibt. An diesem Tag, der das Bewusstsein für Quantenwissenschaft und -technologien schärfen soll, finden weltweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Fokus stehen dabei zum Beispiel die Innovationen, sich durch Quantenrechner mit überlegenere Rechenleistung zukünftig realisieren lassen könnten.
Auf der anderen Seite können diese Computer, wie viele andere Hochtechnologien, in den falschen Händen zur Gefahr werden. Darauf weist ein anderer – zum Glück noch hypothetischer – Tag hin. Der Q-Day bezeichnet das zukünftige Datum, an dem kommerziell verfügbare Quantencomputer erstmals in der Lage sein werden, gängige Kryptosysteme zu korrumpieren.
Unheimliche Fähigkeiten der Qubits
Ein klassisches Bit, die kleinste Einheit digitaler Information, kann stets nur einen von zwei Zuständen annehmen: 0 oder 1. Quantenbits hingegen folgen anderen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Sie können sich in einer sogenannten Superposition befinden, bei der ihr Zustand nicht eindeutig festgelegt ist. Erst durch eine Messung entscheidet sich, ob das Quantenbit als 0 oder als 1 erscheint. Vereinfacht gesagt existieren Quantenbits bis zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig in beiden Zuständen.
Diese besondere Eigenschaft eröffnet völlig neue rechnerische Möglichkeiten. Bestimmte mathematische Probleme, für deren Lösung herkömmliche Hochleistungsrechner theoretisch Jahrtausende benötigen würden, könnten mit Quantencomputern in vergleichsweise kurzer Zeit bewältigt werden.
Für die heute gebräuchliche Kryptografie stellt diese Fähigkeit ein ernstzunehmendes Risiko dar. Asymmetrische Verschlüsselungsverfahren beruhen auf schwer umkehrbaren mathematischen Operationen. Ein bekanntes Beispiel ist die Multiplikation großer Primzahlen: Das Multiplizieren selbst ist unkompliziert und kann bei kleineren Zahlen sogar per Hand oder mit einem Taschenrechner erfolgen. Die Umkehrung dieses Vorgangs, also die Zerlegung des Produkts in seine Primfaktoren, ist hingegen wesentlich aufwendiger.
Werden die verwendeten Primzahlen ausreichend groß gewählt, stoßen selbst moderne Supercomputer an ihre Grenzen und können das Problem nicht in reeller Zeit lösen. Genau auf dieser Schwierigkeit beruht die Sicherheit asymmetrischer Kryptografie: Sie stellt den Zusammenhang zwischen öffentlichem und privatem Schlüssel her und schützt damit zentrale Anwendungen der digitalen Welt. Dazu zählen unter anderem HTTPS-Verbindungen zwischen Nutzern und Webseiten, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Messenger-Dienste sowie zahlreiche weitere Sicherheitsmechanismen.
Sollte es gelingen, die mathematische Komplexität, zum Beispiel durch Quantencomputer, dieser Umkehrprobleme deutlich zu verringern, also die zugrunde liegenden Verschlüsselungsalgorithmen zu „brechen“, hätte das gravierende Konsequenzen für die IT-Sicherheit insgesamt.
Quantencomputing – Zeit, krypto-agil zu werden
Als Reaktion auf die Bedrohungsszenarien wird bereits seit einiger die Post-Quanten-Kryptografie (PQC) entwickelt. Im Kern ähnelt sie klassischer Kryptografie, basiert jedoch auf mathematischen Problemen, die auch von Quantencomputern nicht effizient gelöst werden können.
Ein Beispiel ist die gitterbasierte Kryptografie. Hier beruht die Sicherheit auf hochdimensionalen mathematischen Gittern: Um einen privaten Schlüssel aus einem öffentlichen abzuleiten, müsste der kürzeste Vektor zwischen Gitterpunkten berechnet werden. Was in drei Dimensionen noch einfach ist, wird in sehr hohen Dimensionen praktisch unlösbar. An solchen Verfahren wird seit den 1990er Jahren geforscht; einige gelten inzwischen als etabliert. Insbesondere die Algorithmen CRYSTALS-Kyber und CRYSTALS-Dilithium haben erheblich an Bedeutung gewonnen. Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) hat die Algorithmen ML-KEM und ML-DSA als Teil der ersten offiziellen PQC-Standards ausgewählt, die 2024 veröffentlicht wurden.
Da noch offen ist, welche Lösungen sich langfristig durchsetzen, sollten Unternehmen flexibel bleiben. Gefragt ist Krypto-Agilität – eine Infrastruktur, die verschiedene Algorithmen unterstützt und einen schrittweisen Übergang ermöglicht. Dazu gehört die Modernisierung bestehender Systeme mit PQC-Verfahren sowie die parallele Nutzung klassischer und quantensicherer Algorithmen.
Wahrscheinlich wird sich nicht eine einzige Lösung etablieren, sondern je nach Anwendungsfall unterschiedliche Verfahren. Diese müssen künftig weiterentwickelt und angepasst werden. Umso wichtiger ist es, schon heute die technischen Grundlagen dafür zu schaffen.
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