
Welche Entwicklungen sind 2026 in puncto Cybersicherheit relevant und worauf müssen sich Unternehmen, Management und Sicherheitsteams einstellen? Nick Schneider, President und CEO von Arctic Wolf, gibt einen Ausblick auf die für Wirtschaft und Gesellschaft wichtigsten Cybersicherheit-Entwicklungen im neuen Jahr.
Markt und Strategie
Im Jahr 2026 wird KI der Treiber für eine umfassende Marktkonsolidierung sein. Die vergangenen Jahre waren geprägt von fragmentierten Cybersecurity-Tools. Künftig werden zunehmend einheitliche Plattformen relevant, die auf geteilten Daten, Automatisierung und integrierter Intelligenz basieren. Mit der Reife von KI-Fähigkeiten werden einzelne Spezialfunktionen zunehmend in größere Ökosysteme integriert. Und es werden die Unternehmen erfolgreich sein, die integrieren können, statt nur zu akquirieren. Der Markt bewegt sich von „Best-of-Breed“ hin zu „Best Integrated“: Skalierung, Telemetrie und Interoperabilität von Workflows definieren die nächste Generation von führenden Security-Anbietern.
Gleichzeitig bewerten Käufer Technologien nicht mehr anhand der Funktionsvielzahl, sondern messen diese zunehmend an erzielten Ergebnissen. Die Anzahl eingesetzter Tools wird weniger relevant. Entscheidend wird hingegen sein, wie schnell ein Unternehmen Angriffe eindämmen und sich davon erholen kann. Security Operations etablieren sich zunehmend als Standard dafür, wie Organisationen Risiken managen. Erfolg wird über Geschwindigkeit, Sichtbarkeit und Resilienz definiert. Parallel zur Normalisierung der Kapitalmärkte werden Investoren diejenigen Unternehmen priorisieren, die KI-gestützte Effizienz und messbare Risikoreduzierung nachweisen können, statt diese nur zu vermarkten.
KI und Security-Operations
Künstliche Intelligenz wird das moderne SOC grundlegend neu definieren. Das, was wir heute als „Security Super Intelligence“ bezeichnen, wird sich vom Konzept zur Realität entwickeln, da sich Human-in-the-Loop-Modelle hin zu einer „wahlbewussten Autonomie“ weiterentwickeln: KI-Agenten führen reversible Maßnahmen durch, gesteuert durch Richtlinien und validiert durch menschliche Expertinnen und Experten. Eine doppelte Bestätigung zwischen Analysten und Modellen wird zum neuen Vertrauensstandard. Die erfolgreichsten KI-Plattformen werden mit Live-Betriebsdaten aus tausenden Umgebungen trainiert, nicht in synthetischen Testumgebungen. In dieser neuen Ära werden Skalierung sowie Datenvolumen und -vielfalt den entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. Zudem wird KI ihr Versprechen einlösen, Alert Fatigue zu eliminieren: Triage, Anreicherung und erste Eindämmungsmaßnahmen werden zunehmend automatisiert, sodass menschliche Analysten sich auf komplexe Untersuchungen und strategische Reaktionen konzentrieren können.
Bedrohungen und Risiken
2026 werden die folgenreichsten Cyberbedrohungen nicht mehr allein von menschlichen Angreifern ausgehen, sondern von autonomen, KI-gesteuerten Angriffen. Cyberkriminelle beginnen, Large Language Models und autonome Agenten einzusetzen, die in der Lage sind, hochentwickelte Angriffskampagnen mit minimalem menschlichem Eingriff auszuführen. Diese Systeme können schneller als jeder Mensch nach Schwachstellen suchen, Exploit-Code generieren und sich lateral in Netzwerken bewegen. Was bislang als vereinzelte Proof-of-Concepts galt, wird sich zu koordinierten, KI-orchestrierten Operationen entwickeln, die sich in Echtzeit anpassen.
Um einen Schritt vorauszubleiben, müssen Organisationen Verteidigungsmechanismen aufbauen, die KI berücksichtigen: Systeme, die maschinenschnelle Angriffsketten über Endpunkte, Cloud-Umgebungen und Lieferketten hinweg erkennen und unterbrechen können. Klassische Perimetersicherheit und menschliche Wachsamkeit werden nicht ausreichen. Der neue Resilienzstandard umfasst kontinuierliches Monitoring, automatisierte Eindämmung und schnelle Wiederherstellungsmechanismen, die mit autonomen Gegnern Schritt halten können. In dieser neuen Realität hängt Cyber-Insurability weniger von der Anzahl eingesetzter Tools ab, sondern vom nachweisbaren Reifegrad der Security Operations – insbesondere der Fähigkeit, KI-gesteuerte Angriffe ebenso schnell zu erkennen, zu isolieren und sich davon zu erholen, wie sie stattfinden.
Mitarbeitende und Unternehmenskultur
Entgegen früheren Befürchtungen wird KI Cybersecurity-Jobs nicht abschaffen, sie wird sie aber verändern. Unternehmen, die KI-Copiloten in ihre Betriebsabläufe integrieren und in die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden investieren, werden die bestehende Qualifikationslücke schneller schließen als jene, die Automatisierung ablehnen. Die Erfahrung von Arctic Wolf zeigt, dass KI-Technologie Unternehmen dabei unterstützen kann, Kandidatinnen und Kandidaten in großem Umfang zu gewinnen, zu schulen und zu halten – insbesondere unter Gen-Z-Fachkräften, die inzwischen ein Viertel der SOC-Belegschaft ausmachen. Diese Analysten werden nicht ersetzt, sondern in ihrer Arbeit unterstützt. Zudem wird Geschwindigkeit selbst zu einem kulturellen Differenzierungsmerkmal: Unternehmen, die Teams befähigen, Entscheidungen dezentral zu treffen und ergebnisorientiert zu handeln, werden hierarchisch geprägte, langsamere Organisationen hinter sich lassen. Während autonome SOC-Fähigkeiten zum Standard werden, werden Vertrauen und Agilität die nächste Generation von Cybersecurity-Marktführern prägen.
#Arctic Wolf













