Mit Exposure-Management Cyberrisiken in cyberphysischen Systemen reduzieren

Exposure-Management ist mehr als klassisches Schwachstellen-Management. Es handelt sich um einen strategischen, geschäftsorientierten Ansatz, der Cyberrisiken in Operational-Technology-Umgebungen (OT) ganzheitlich bewertet und priorisiert. Statt nur bekannte Schwachstellen aufzulisten, berücksichtigt Exposure-Management zusätzlich Faktoren wie veraltete Firmware, unsichere Protokolle, End-of-Life-Hardware oder Konfigurationsfehler. Entscheidend ist dabei nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs, sondern auch die Auswirkungen auf Geschäftsprozesse, Sicherheit von Menschen und Schutz der Umwelt.

Gerade in Industrieanlagen, Gesundheitseinrichtungen oder Gebäudemanagementsystemen sind Ausfallzeiten kaum tolerierbar. Systeme lassen sich nicht einfach patchen wie in der IT, weshalb ein risikobasierter, kontextsensitiver Ansatz erforderlich ist.

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Unterschiede zwischen IT- und Umgebungen mit cyberphysischen Systemen (CPS) und erklärt, weshalb sie jeweils spezifische Sicherheitsansätze erfordern:

Risiken und Auswirkungen – Vergleich zwischen IT und OT/CPS.

Effektiven Verwaltung von Risiken in cyberphysischen Umgebungen

Für Verantwortliche und Rechenschaftspflichtige ist das Exposure-Management in CPS-Umgebungen oft unübersichtlich. Tausende Schwachstellen in den Geräten sowie zahlreiche weitere potenzielle Gefährdungen führen schnell zu einer komplexen und schwer einschätzbaren Risikolage. Abhilfe schafft ein risikobasierter Ansatz, der auf einem fundierten und klaren Verständnis der Risiken beruht und das Exposure-Management somit effektiv steuerbar macht. Im Folgenden werden fünf zentrale Schritte vorgestellt, mit denen Unternehmen CPS-Risiken gezielt und nachhaltig reduzieren können.

Vorteile von Exposure-Management in OT-Umgebungen

1. Vollständige Asset-Transparenz: OT-Umgebungen leiden häufig an mangelnder Sichtbarkeit. Viele Unternehmen kennen nicht alle vernetzten Assets in ihren Produktionsanlagen, Gebäuden oder Kliniken. Exposure-Management schafft ein vollständiges, aktuelles Inventar – inklusive Firmware, Modellnummern oder Netzwerkzuordnungen. Nur wer seine gesamte Angriffsfläche kennt, kann Risiken wirksam adressieren.

2. Relevante und anpassbare Risikobewertung: Nicht jede Schwachstelle ist gleich gefährlich. Exposure-Management bewertet Risiken nach der Formel:
Risiko = Wahrscheinlichkeit x Auswirkung – vorhandene Schutzmaßnahmen.
So werden nicht nur CVEs, sondern auch kompensierende Kontrollen wie Firewalls oder Segmentierung berücksichtigt. Organisationen können die Gewichtung flexibel anpassen und erhalten transparente Risikoscores, die auf Asset-, Standort- und Umgebungs-Ebene aussagekräftig sind.

3. Einordnung im Geschäftskontext: Gerade in komplexen Umgebungen mit Tausenden von Assets ist die reine technische Risikobetrachtung unzureichend. Exposure-Management verknüpft Sicherheitsbewertungen mit geschäftskritischen Prozessen. Dadurch erkennen Unternehmen, welche Schwachstellen unmittelbar die Produktion, Patientenversorgung oder Gebäudesicherheit gefährden – und können Prioritäten gezielt setzen.

4. Effiziente Priorisierung und Verantwortlichkeiten: In OT-Umgebungen müssen Sicherheitslücken häufig von den Betreibern der Anlagen vor Ort behoben werden. Exposure-Management strukturiert Risiken nach Standort, Hersteller oder Gerätetyp und weist sie klar den zuständigen Teams zu. So entstehen Priorisierungsgruppen, die eine schnelle und koordinierte Umsetzung ermöglichen – ohne Informationsverlust zwischen IT-Security, Engineering und Betrieb.

5. Automatisierung und kontinuierliche Verbesserung: Da manuelle Prozesse auf Dauer ineffizient sind, setzt modernes Exposure-Management auf Automatisierung. Alarme, Benachrichtigungen und die Zuweisung von Maßnahmen an Teams lassen sich in bestehende Workflows integrieren. So können Unternehmen ihre Risiken kontinuierlich überwachen und reduzieren. Praxisbeispiele zeigen: Mit Automatisierung lassen sich Risikoscores in kritischen Werken um bis zu 75 % senken.

Fazit

Die zunehmende Vernetzung von Industrieanlagen, Medizingeräten und Gebäudetechnik bringt enorme Chancen – aber auch eine drastisch wachsende Angriffsfläche. Klassisches Schwachstellenmanagement greift hier zu kurz. Exposure-Management bietet den notwendigen, risikobasierten Ansatz, der Sicherheit, Geschäftskontinuität und Compliance in Einklang bringt.

Unternehmen, die frühzeitig auf Exposure-Management setzen, profitieren von mehr Transparenz, präziseren Risikobewertungen, klaren Verantwortlichkeiten und effizienter Automatisierung. Damit sichern sie nicht nur ihre Systeme, sondern auch ihre Kernprozesse und letztlich: Life, uninterrupted.

#Claroty