Das ändert sich 2020 in der ERP-Welt

Claus Jepsen, Deputy CTO von Unit4, gibt eine Prognose ab, was die ERP- und IT-Welt im kommenden Jahr bewegen wird:

 

Der Aufstieg der Chatbots

Chatbots und digitale Assistenten spielten 2019 eine viel bedeutendere Rolle im Unternehmensumfeld als in den Jahren zuvor. Von KI-gestützten HR-Recruiting-Services bis hin zu Chatbots im Kundenservice: Immer mehr Unternehmen setzten auf KI, um Abläufe zu optimieren und das Kundenerlebnis zu verbessern. 

2020 verstärkt sich dieser Trend. Eine wachsende Anzahl von Unternehmen wird die Analysefähigkeiten von KI-gestützten digitalen Assistenten nutzen. Davon erhoffen sie sich neue Erkenntnisse über effiziente Arbeitsweisen. Beispielsweise werden sich täglich anfallende Arbeiten, die nach bestimmten Mustern ablaufen, durch maschinelles Lernen automatisieren lassen. 

Neue cloudbasierte Angebote wie der Virtuelle-Assistent von Microsoft beschleunigen den Einsatz digitaler Assistenten in Kombination mit verbesserten KI-Funktionen. Außerdem ermöglichen sie es Unternehmen, mit Low-Code/No-Code-Tools digitale Assistenten für bestimmte Anwendungsszenarien zu entwickeln. Diese Helfer unterstützen dann beispielsweise interne Geschäftsabläufe oder kommen auf innovative Weise in Applikationen für die Kundenbeziehung zum Einsatz. 

 

Cloud-Speicher: Alles bewegt sich Richtung Hybrid  

2019 stand die Cloud-Migration im Mittelpunkt. Viele sagten vor diesem Hintergrund voraus, dass reine Cloud-Speichermodelle die Zukunft sind. Mit Regelwerken wie der DSGVO kommen allerdings bei Kunden zunehmend Bedenken darüber auf, wo sich ihre Daten genau befinden. Deshalb deutet 2020 alles daraufhin, dass sich die Cloud-Strategien stark wandeln. Hybride Cloud-Implementierungen rücken in den Fokus.

Unternehmen werden sich verstärkt für hybride Lösungen entscheiden. Damit können sie Daten vor Ort speichern und gleichzeitig die Cloud nutzen, um die Sicherheit ihrer Datenbank zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang verzeichnen ERP-Anbieter einer Hybrid-Lösung klare Vorteile gegenüber Herstellern von ERP-Altsystemen sowie reinen Cloudangeboten. 

 

Die Erweiterbarkeit der Plattform ist entscheidend

2020 werden sich die Anforderungen an eine moderne ERP-Lösung ebenfalls gravierend ändern. Es ist zu erwarten, dass sich Kunden von Anbietern abwenden, die lediglich ERP-Funktionalitäten in ihrem Portfolio haben. In Bezug auf ihre digitalen Transformations-Anstrengungen besteht das Interesse potenzieller Käufer vielmehr an Lösungen, mit denen sie Daten und Anwendungen sowohl Onpremises als auch in der Cloud nutzen können. 

Die neuen Kundenanforderungen veranlassen ERP-Anbieter dazu, sich Gedanken über Erweiterbarkeit zu machen. Außerdem müssen sie sicherzustellen, dass ihre Plattformen hybride Szenarien und vielfältige Anforderungen im Rahmen digitaler Strategien unterstützen können. Diese neue Ausgangslage wird das Ende der ERP-Megasuiten einläuten. An ihre Stelle treten nahtlos verteilte und integrierte Lösungen, die auf mehreren Clouds sowie Onpremises laufen können.

 

Know-how der Mitarbeiter wird zum Motor des Business

Auch 2020 werden die Mitarbeiter die wichtigste Komponente in Unternehmen bleiben, ganz unabhängig von der Branche. Ihre Fähigkeiten und ihre Erkenntnisse bilden für Firmen eine wichtige Grundlage, um die künftige Ausrichtung des Business richtig einzuschätzen.

Von daher werden Unternehmen 2020 einen strategischen Ansatz für ihre Human-Capital-Management- (HCM-)Lösungen wählen. Daten- und Analysefunktionen spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Darüber lässt sich herausfinden, wie gut ausgebildet die Mitarbeiter sind und ob sie die richtigen Fähigkeiten besitzen, wo Weiterbildungen notwendig sind und wie Mitarbeiter in ihrer Karriereplanung unterstützt werden können.

 

Die Talente von morgen gewinnen

Viele junge Menschen, die um die Jahrtausendwende herum geboren wurden, machen nächstes Jahr ihren ersten Schritt in das Berufsleben. Unternehmen müssen darüber nachdenken, wie sie diese neue Generation für sich gewinnen können.

Die potenziellen neuen Mitarbeiter sind mit dem Internet aufgewachsen und an moderne Technologie gewöhnt. Entsprechend hoch sind ihre Erwartungen an die digitale Ausstattung ihrer künftigen Arbeitgeber. Ein Tech-Downgrade am Arbeitsplatz – im Vergleich zum bisher privat gewohnten Standard – kommt daher bei jungen Talenten nicht gut an. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen sich Unternehmen noch stärker klar machen: Veraltete Technologie kann nicht nur das Business lähmen, sondern auch der Grund für die Absage eines potenziellen Mitarbeiters sein. Unternehmen sollten von daher ihre gesamte IT-Infrastruktur überdenken.

Für Anbieter von ERP-Lösungen und Enterprise-Software haben diese Entwicklungen starke Auswirkungen darauf, wie Funktionen künftig den Nutzern angeboten werden. Dabei lässt sich ein transformativer Wandel erkennen: weg von monolithischen Systemen, die seit mehr als 20 Jahren zu erdulden waren, hin zu flexiblen aufgaben- oder zweckorientierten Applikationen. Mit ihnen können Anwender nämlich sofort loslegen, ohne sich durch eine funktionsüberfrachtete Einzelanwendung kämpfen zu müssen.

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