Die Tour de France zieht aktuell viele Radsportfans in ihren Bann und die Rivalität an der Spitze des Pelotons veranlasst die Fans dazu, sich neue Trikots, Helme und Trinkflaschen zuzulegen. Cyberkriminelle verfolgen dasselbe Rennen, aber aus niederträchtigen Gründen. Sie richten gefälschte Online-Shops ein, um diese Begeisterung in gestohlene Zahlungsdaten und persönliche Informationen umzuwandeln. Große Sportveranstaltungen ziehen regelmäßig eine Welle von Betrugsfällen nach sich.
Check Point Research hat zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 63 neu registrierte Domains identifiziert, die Begriffe im Zusammenhang mit der Tour de France enthalten, darunter Verweise auf das Rennen selbst, Radsportmarken, Namen von Fahrern und veranstaltungsspezifische Begriffe. Repräsentative Beispiele sind tourdefrancelife[.]com (Februar 2026), tourdefrance[.]pro (Februar 2026) und tourettedefrance[.]com (März 2026).
Tour de France – Das Muster hinter dem Anstieg
Das Interesse an Radsportausrüstung, Tickets, Fanartikeln, Wettplattformen und Veranstaltungsinformationen erreicht genau dann seinen Höhepunkt, wenn das Rennen stattfindet. Fans suchen gleichzeitig nach Teamtrikots, Produkten rund um die Fahrer, reduzierter Ausrüstung und Angeboten unter dem Tour-Markennamen. Kriminelle wissen das und reagieren auf die Nachfrage mit überzeugenden Fälschungen, die in Suchergebnissen, Social-Media-Beiträgen oder wie gesponserte Werbung aussehenden Anzeigen auftauchen können.
Die Daten zeigen auf, wie Angriffe der öffentlichen Aufmerksamkeit folgen. In Frankreich waren Organisationen im Juni 2026 durchschnittlich 1.333 Cyberangriffen pro Woche ausgesetzt – ein Anstieg um 21 Prozent im Vergleich zum Mai und um 14 Prozent im Vergleich zum Juni 2025. Der Trend war besonders deutlich in verbraucherorientierten Branchen zu beobachten, die mit ereignisgebundenen Käufen in Verbindung stehen, wo Betrüger Nachfragespitzen bei Fanartikeln, Tickets und damit verbundenen Dienstleistungen ausnutzen können. Zum Vergleich waren in Deutschland die Cyberangriffe um 35 Prozent auf 1659 pro Woche angestiegen. Österreich verzeichnete mit 2243 Angriffen ein Plus von 37 Prozent und die Schweiz war mit einem Anstieg von 44 Prozent auf 1504 sogar das DACH-Land mit dem stärksten Zuwachs.
Wo Fan-Nachfrage zum Cyberrisiko wird
Der Sektor „Konsumgüter und Dienstleistungen“ wird am unmittelbarsten von der Tour beeinflusst: Fanartikel, Mannschaftstrikots und der E-Commerce von Sponsoren sorgen während der Rennwochen für ein hohes Transaktionsvolumen, was den Sektor zu einem Hauptziel für gefälschte Online-Shops und das Sammeln von Zugangsdaten macht.
„Der Anstieg an Cyberangriffen, die Anzahl der neu registrierten Tour-de-France-Domains und die bereits online auftauchenden gefälschten Online-Shops ergeben ein klares Bild: Kriminelle nutzen das Interesse der Fans am Rennen schamlos aus und verdienen kräftig damit“, sagt Torsten Koch, Senior Director Enterprise Sales bei Check Point Software. „Diese Websites können auf den ersten Blick seriös wirken – mit hohen Rabatten, gefälschten Vertrauenssiegeln und dem bekannten Markenemblem. Wachsamkeit ist deshalb auch beim größten Fan gefragt, denn es gilt noch immer: Wenn ein Angebot zu gut erscheint, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.“
Die meisten der neu registrierten Domains sind noch nicht klassifiziert, was sie für sich genommen jedoch nicht sicherer macht. Einige tauchten in koordinierten Gruppen auf, was darauf hindeutet, dass Betrüger möglicherweise im Voraus gefälschte Websites und Shops für den Diebstahl von Zugangsdaten vorbereiten.
So sieht ein gefälschter Tour-Shop aus
Ein aktuelles Beispiel veranschaulicht die Vorgehensweise. Unter den untersuchten Domains hat Check Point Research die Domain „tourdefranceevent[.]shop“ identifiziert, die im Juni 2026 registriert und von mehreren Threat-Intelligence-Systemen als bösartig eingestuft wurde. Die Website hat keinerlei Verbindung zum offiziellen Tour-de-France-Shop. Sie setzt auf ungewöhnlich niedrige Preise, gefälschte Vertrauenssiegel, Pop-up-Meldungen, die ein Gefühl der Dringlichkeit erzeugen sollen, sowie Social-Media-Symbole, die nicht zu offiziellen Tour-de-France-Konten führen.


Dieses Risiko beschränkt sich nicht auf ein Land oder eine bestimmte Fangemeinde. Jeder Fan mit einem starken Interesse an dem Rennen kann zum Ziel werden, insbesondere wenn Nutzer nach Last-Minute-Angeboten, limitierten Fanartikeln, Wettangeboten oder Reiseleistungen suchen.
Fünf Tipps für den sicheren Einkauf von Radsportausrüstung
- Die URL überprüfen: Gefälschte Websites verwenden oft eine leicht abgeänderte Adresse oder eine ungewöhnliche Domain-Endung. Fans sollten diese sorgfältig durchlesen, bevor sie ihre Daten preisgeben.
- Auf echte Kontaktdaten achten: Ein seriöser Shop gibt einen Firmennamen, eine Anschrift, eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer an. Fehlende Angaben sind ein Warnzeichen.
- Bewertungen über den Shop im Netz suchen und lesen: Fans sollten nach unabhängigen Bewertungen suchen. Eine Mischung aus guten und schlechten Bewertungen ist in der Regel vertrauenswürdiger als eine Flut von Fünf-Sterne-Bewertungen.
- Misstrauisch gegenüber niedrigen Preisen bleiben: Hohe Rabatte auf begehrte Artikel sind ein gängiger Köder. Wenn der Preis unrealistisch erscheint, sollten Fans ihn auch als solchen betrachten.
- Eine Sicherheitslösung zum Schutz einsetzen: Antivirensoftware und eine Browser-Erweiterung mit URL-Schutz können Seiten beim Aufrufen scannen und davor warnen, bevor Zahlungsdaten übermittelt werden.
Fans, die sich vor dem Kauf noch einen Moment Zeit nehmen, die URL und den Namen der Website zu überprüfen und sich vergewissern, dass es sich um den richtigen Verkäufer handelt, können so sicherstellen, dass sie nicht die Leidtragenden ihrer eigenen Begeisterung sind.
#Check Point











