Container-Technologien sind ein zentrales Element moderner Software- und IT-Supply-Chains. Öffentliche Container-Registries dienen dabei als schnelle Bezugsquelle für Basis-Images, Laufzeitumgebungen und Frameworks. Was Effizienz und Skalierbarkeit verspricht, bringt jedoch ein oft unterschätztes Risiko mit sich: Jeder Pull eines Images aus einer öffentlichen Registry ist faktisch eine Vertrauensentscheidung – und damit ein potenzieller Einstiegspunkt für Angriffe entlang der digitalen Lieferkette.
In vielen Entwicklungs- und DevOps-Prozessen wird dieses Vertrauen implizit vorausgesetzt. Container-Images werden automatisiert in CI/CD-Pipelines eingebunden, ohne ihre Herkunft, Integrität oder ihren tatsächlichen Inhalt systematisch zu überprüfen. Analysen öffentlicher Register zeigen jedoch, dass sich dort zahlreiche Images mit Auffälligkeiten finden, etwa ungewöhnliche Repository-Namen, geringe Nutzung oder Hinweise auf versteckte Zusatzfunktionen. Diese Merkmale sind nicht zwangsläufig bösartig, verdeutlichen aber, dass sich zwischen etablierten Open-Source-Artefakten auch Inhalte mit unklarer Vertrauenswürdigkeit befinden.
Besonders problematisch ist die schnelle Verbreitung manipulierter Images. Ein einmal veröffentlichtes Image kann innerhalb kurzer Zeit Entwicklungs-, Test- und Produktionsumgebungen erreichen – häufig unbemerkt. Bekannte Vorfälle zeigen, dass viele dieser Images für Kryptomining missbraucht werden, wodurch Rechenressourcen zweckentfremdet, Kosten erhöht und Angriffsflächen vergrößert werden. Daneben finden sich auch klassische Schadfunktionen wie Hintertüren oder Downloader, die weitergehende Kompromittierungen ermöglichen.
Ein gängiger Angriffsvektor ist Typo-Squatting: Angreifer veröffentlichen Images mit Namen, die bekannten Projekten stark ähneln, sich aber durch minimale Schreibfehler unterscheiden. In automatisierten Workflows kann dies dazu führen, dass versehentlich manipulierte Images eingesetzt werden.
Das Kernproblem liegt in der strukturellen Rolle öffentlicher Registries innerhalb der Software-Supply-Chain. Container-Images fungieren als vorgefertigte Bausteine, die tief in Entwicklungs- und Produktionsprozesse integriert sind. Manipulationen auf dieser Ebene wirken sich daher nicht isoliert aus, sondern können sich entlang der gesamten Lieferkette fortpflanzen.
Wirksame Gegenmaßnahmen erfordern einen ganzheitlichen Ansatz: Herkunft und Integrität von Images sollten vor dem Einsatz überprüft und dokumentiert werden, ergänzt durch technische Kontrollen vor dem Deployment und eine Überwachung im laufenden Betrieb. Für Unternehmen bedeutet dies, Container-Security als festen Bestandteil ihrer Supply-Chain-Strategie zu begreifen. Öffentliche Registries bleiben ein wichtiger Innovationstreiber – Vertrauen darf dabei jedoch nicht länger der Default sein.
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