Gezielte Angriffe via Spear-Phishing nehmen um 41 Prozent zu

Gezielter Cybersecurity Angriff via Spear-PhishingKnowBe4 veröffentlicht seinen „Phishing Threat Trends Report – Band 8″. Der Bericht verdeutlicht einen grundlegenden Wandel in den Taktiken der Cyberkriminalität: Massenbetrug mit geringem Aufwand ist stark rückläufig, während sich die Angreifer auf hochgradig gezielte Identitätsangriffe konzentrieren, vertrauenswürdige Cloud- und KI-Infrastrukturen missbrauchen und herkömmliche Authentifizierungsmaßnahmen umgehen.

Dr. Martin J. Krämer, CISO Advisor bei KnowBe4

„Für Deutschland stellen wir fest, dass Business-E-Mail-Compromise (BEC) als Phishing-Aufhänger dominiert und 79,2 Prozent aller Angriffe ausmacht (gegenüber 51,2 % weltweit). Diese extreme Konzentration verdrängt fast alle anderen Angriffsvektoren; die klassische Markenimitation sinkt in Deutschland auf vernachlässigbare 5,9 Prozent,“ erklärt Dr. Martin J. Krämer, CISO-Advisor DACH bei KnowBe4 und fährt mit Blick auf die Schweiz fort: „Schweizer Organisationen sind mit sehr auffälligen, unternehmensinternen Identitätsbetrugsversuchen konfrontiert, die auf eine schnelle Ausführung ausgelegt sind. Die Nachrichten enthalten durchschnittlich 9,8 Bilder pro E-Mail (im Vergleich zu 2,6 weltweit) und sind mit 747 Zeichen relativ kurz. Genau ein Drittel der Angriffe (33,2 % gegenüber 20,3 % weltweit) gibt sich als die eigene Organisation des Empfängers aus. Anstelle langer Überzeugungsversuche versenden die Angreifer stark visuell gestaltete Benachrichtigungen mit wenig Text, die interne Unternehmens-Tools imitieren.“

Der „Phishing Threat Trends Report“ basiert auf den Daten zur Sicherheit eingehender E-Mails von KnowBe4-Defend, das täglich 1,15 Milliarden Ereignissignale verarbeitet. Dem Bericht zufolge stieg das Gesamtvolumen an Phishing-Angriffen im Vergleich zum Vorjahr um 29,8 Prozent, wobei Unternehmen im Durchschnitt eine gefährliche E-Mail pro 733 empfangene E-Mails erhielten. Die Art dieser Angriffe hat sich jedoch verändert. Die wahllosen „Spray-and-Pray“-Kampagnen verzeichneten einen starken Rückgang – Betrugsversuche mit Schwerpunkt auf Mobilgeräten sanken um 47,3 Prozent, Betrugsfälle nach dem „419“-Schema (Vorauszahlungsbetrug) gingen um 31,3 Prozent zurück und Köder in Form von „verpassten Nachrichten“ sanken um 11,3 Prozent. Stattdessen investieren Angreifer massiv in Recherchen vor dem Angriff und maßgeschneiderte Vorgehensweisen – Spear-Phishing stieg um 41,1 Prozent, das Auskundschaften vor dem Angriff um 33,7 Prozent und das Vortäuschen der Identität von Unternehmen um 28 Prozent.

„Seit Jahren konzentrieren sich Sicherheitsempfehlungen auf eine vorhersehbare Checkliste: Überprüfe die Absenderadresse, fahre mit der Maus über den Link und achte auf das Vorhängeschloss“, sagt Jack Chapman, SVP of Threat Intelligence bei KnowBe4. „Diese Leitlinien sind zwar nach wie vor grundlegend, verlieren aber von Tag zu Tag an Nützlichkeit. Modernes Phishing muss Sicherheitsfilter nicht mehr mit ähnlich aussehenden Domains täuschen, wenn Angreifer direkt auf vertrauenswürdigen Domains sitzen können. Angreifer können sich nun legitime Infrastruktur ausleihen, Berechtigungen statt Passwörter sammeln und mit maschineller Geschwindigkeit auf Schlagzeilen reagieren. Vertrauenssignale allein sind kein Sicherheitsnachweis mehr, und Unternehmen müssen beim Schutz ihrer Mitarbeiter neu überdenken, worauf sie ihr Vertrauen setzen.“

 

Wichtige Erkenntnisse aus dem „Phishing Threat Trends Report Band 8″:

  • Im dritten Quartal 2026 stammten Angriffe doppelt so häufig aus legitimer Infrastruktur wie im zweiten Quartal 2026, wobei KI-Plattformen die neueste Entwicklung in diesem Trend darstellen.
  • Angreifer hosten zunehmend gefälschte Entwicklerkonsolen, Anmeldeaufforderungen und Download-Hubs direkt auf nativen Domains von KI-Plattformen.
  • Mithilfe generativer KI und agentenbasierter Tools sind Angreifer heute 5,4-mal schneller darin, Schlagzeilen aus aktuellen Nachrichten in aktive Phishing-Köder umzuwandeln als noch im Jahr 2022.
  • Kommerzielle Toolkits sorgen für eine massive Ausweitung der Angriffe. Das durch Toolkits gestützte Phishing stieg um 54 Prozent und machte 29,2 Prozent aller eingehenden bösartigen E-Mails aus, wobei nur drei primäre Toolkits 90,2 Prozent des gesamten kit-gestützten Phishings ausmachten.
  • Angreifer umgehen Passwörter zunehmend durch Authentifizierungs-Phishing, Anmeldungen per Gerätecode auf Plattformen wie Microsoft-Teams und den Missbrauch von OAuth-Einwilligungen, um Sitzungen und Berechtigungen von KI-Agenten zu kapern.
  • 90,4 Prozent der Phishing-E-Mails treffen an Werktagen (Montag–Freitag) ein, wobei der Höchstwert mit 20,6 Prozent am Montag erreicht wird, wenn die Posteingänge am stärksten ausgelastet sind. Business-E-Mail-Compromise (BEC) macht 51,2 Prozent der Phishing-Arten aus, wobei die Personalabteilung, die Finanzabteilung und die Geschäftsleitung als die am häufigsten angegriffenen Abteilungen genannt werden.

Info: Der vollständige Report findet sich hier: https://www.knowbe4.com/resources/reports/2026-phishing-threat-trends-vol-8

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