Cohesity verbindet Cyber-Resilienz mit KI-gestützter Datensicherheit

Cohesity will die Cyber-Resilienz und den Schutz von Unternehmensdaten über klassische Backups hinaus weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen KI-gestützte Sicherheitsanalysen, die Wiederherstellung nach Cyberangriffen und der Schutz autonomer KI-Agenten. Dafür setzt das Unternehmen bei der Analyse des eigenen Quellcodes auf mehrere fortschrittliche KI-Modelle und arbeitet zugleich an neuen Funktionen, die Backup-Daten für KI-Anwendungen nutzbar machen sollen.

 

KI-Modelle sollen Sicherheitslücken im Quellcode aufdecken

Ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung ist der Einsatz spezialisierter KI-Modelle, um Schwachstellen in der eigenen Software zu identifizieren. Cohesity erläuterte auf der IT Press Tour, dass Cohesity als erstes Unternehmen seiner Branche Zugang zu Anthropics-Projekt Glasswing und dessen Modell Mythos. Ausschlaggebend seien sowohl die Initiative des Unternehmens als auch Forderungen von Kunden gewesen, die Cohesity als zentrale Komponente ihrer Cyber-Resilienz betrachten.

Die Sicherheitsforscher des Unternehmens erhielten Zugriff auf das Modell, um den gesamten Quellcode gezielt auf Schwachstellen untersuchen zu lassen. Parallel dazu führten einzelne Kunden Analysen der Cohesity-Binärdateien durch. Damit wollte das Unternehmen die Ergebnisse aus Quellcode- und Binäranalysen vergleichen und erkannte Schwachstellen möglichst schnell beheben.

Cohesity beschränkt sich dabei nicht auf einen einzelnen Anbieter. Neben Anthropic testet das Unternehmen auch Modelle von OpenAI und Google. Zudem prüft es Open-Weight-Modelle und arbeitet mit Nvidia an entsprechenden Ansätzen. Die Auswahl soll flexibel bleiben, da sich die Leistungsfähigkeit der Modelle im Bereich Cybersicherheit verändern kann.

In den bisherigen Tests bewertet Cohesity Mythos bei der Suche nach Schwachstellen als leistungsfähiger als GPT-5.6 Cyber. Das Unternehmen betont jedoch, dass diese Einschätzung die speziell für offensive Sicherheitsanalysen eingesetzten Modelle betrifft und nicht ohne Weiteres auf allgemein verfügbare Varianten übertragen werden kann.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur in die interne Softwareentwicklung einfließen. Cohesity kündigt auch neue Produkte an, die auf solchen adversarial arbeitenden Sicherheitsmodellen aufbauen.

Fünf Schritte für eine durchgängige Cyber-Resilienz

Cohesity strukturiert seinen Ansatz zur Cyber-Resilienz in fünf Schritte: den Schutz aller relevanten Workloads, die Sicherung von Backups in abgeschotteten Speicherbereichen, die Erkennung von Bedrohungen, die Wiederherstellung von Anwendungen und die regelmäßige Überprüfung der Schutzmaßnahmen.

Dabei sollen unveränderliche Backups als Grundlage für die Wiederherstellung dienen. Sicherheitsmechanismen untersuchen die gespeicherten Daten unter anderem auf Anomalien und Schadsoftware. In einer isolierten Umgebung, einem sogenannten Clean-Room, lässt sich anschließend prüfen, ob Anwendungen nach einer Wiederherstellung tatsächlich wieder funktionieren.

Dazu gehören neben den gesicherten Daten auch die erforderlichen Konfigurationen, Einstellungen und Skripte. Bei einer Bank kann ein solcher Test beispielsweise überprüfen, ob das wiederhergestellte System einen Scheck verbuchen kann.

Cohesity will die einzelnen Schritte künftig stärker in der Benutzeroberfläche abbilden. IT-Verantwortliche sollen dort unter anderem erkennen können, ob ein Backup vorhanden ist, eine zweite Kopie in einem Air-Gap-Tresor liegt, der Bedrohungsschutz aktiviert ist und Wiederherstellungstests durchgeführt werden.

KI soll die Durchführung dieser Prozesse unterstützen. In einer gezeigten Demonstration war ein Sprachmodell über eine Schnittstelle mit dem Cohesity-Produkt verbunden. Ein Mensch blieb dabei in der Kontrolle: Aktionen sollten nicht ohne dessen Freigabe ausgeführt werden.

 

Schutz für autonome KI-Agenten

Ein weiteres Entwicklungsfeld ist die sogenannte Agent-Resilience. Cohesity geht davon aus, dass Unternehmen künftig eine große Zahl autonomer KI-Agenten einsetzen werden. Diese bestehen nicht nur aus ausführbarem Code, sondern verfügen unter anderem über Prompts, Speicherzustände, Vektordatenbanken und Verbindungen über das Model-Context-Protocol (MCP).

Diese Bestandteile müssen nach Ansicht des Unternehmens ebenso geschützt und wiederherstellbar sein wie klassische Anwendungen. Werden beispielsweise der Speicherzustand oder die Anweisungen eines Agenten manipuliert, kann dieser unerwünschte Aktionen ausführen. Als Szenario beschrieb Cohesity einen Agenten, dessen Speicher durch eine versteckte Anweisung in einer E-Mail kompromittiert wird und der anschließend Nachrichten an eine unberechtigte Adresse weiterleitet.

Für solche Fälle soll die Wiederherstellung auch den Zustand und die Daten des Agenten umfassen. Cohesity arbeitet an Funktionen, um vorhandene Agenten zu erkennen, zu sichern und wiederherzustellen. Die entsprechenden Möglichkeiten sollten zeitnah ausgeliefert werden.

Die Integration mit anderen Unternehmenssystemen ist dabei ebenfalls vorgesehen. Erkennt beispielsweise Servicenow eine massenhafte Löschung von Datensätzen, kann das System Cohesity nach verfügbaren Wiederherstellungspunkten fragen. Anschließend lässt sich die Wiederherstellung über die Schnittstellen anstoßen. Die Kommunikation erfolgt über MCP.

Für die Sicherung von Agenten stellte Cohesity zudem eine nahezu kontinuierliche Datensicherung in Aussicht. Bei den vergleichsweise kleinen Datenmengen des Agentenspeichers seien Sicherungsintervalle von fünf Minuten möglich.

 

Backup-Daten als Grundlage für KI-Anwendungen

Neben dem Schutz von Daten und Agenten will Cohesity die vorhandenen Backup-Bestände stärker für KI-Anwendungen erschließen. Das Unternehmen verweist insbesondere auf unstrukturierte Daten wie Dokumente und Dateien, die für Unternehmen bislang häufig nur begrenzt nutzbar seien.

Für den Aufbau eigener KI-Datenplattformen müssen Unternehmen laut Cohesity häufig Datenkopien erstellen, Governance-Regeln umsetzen und Daten bereinigen. Viele dieser Aufgaben seien bei Backup-Daten bereits teilweise erledigt: Das Unternehmen speichere unterschiedliche Datenstände und klassifiziere Informationen unter anderem nach ihrer Sensibilität.

Cohesity verfolgt deshalb den Ansatz, diese Bestände möglichst ohne zusätzliche Datenkopien für KI-Systeme bereitzustellen. Eine solche Zero-Copy-Nutzung soll den Aufwand für die Datenbereitstellung reduzieren. Auf der bestehenden Backup-Plattform sollen dafür ein Katalog und eine semantische Ebene aufbauen, die den Zugriff auf die gespeicherten Informationen ermöglichen.

Der Ansatz unterscheidet sich nach Darstellung des Unternehmens von früheren Analytics-Konzepten. Generative KI könne nicht nur strukturierte Daten auswerten, sondern auch Inhalte aus Dokumenten, Tabellen und Bildern erschließen. Unternehmen könnten diese Informationen dadurch beispielsweise nutzen, um KI-Agenten mit Produktwissen oder Vertriebsinformationen zu versorgen.

Cohesity weist zugleich darauf hin, dass probabilistische KI-Systeme keine verlässliche Quelle für verbindliche Geschäftszahlen ersetzen. Für solche Angaben seien weiterhin Systeme erforderlich, die den tatsächlichen Datenbestand dokumentieren. KI könne diese Informationen ergänzend analysieren und aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereiten.

Cohesity