Von Windows-10 auf Windows-11 – So gehen IT-Abteilungen den Umstieg realistisch an

Mit dem 14. Oktober 2025 hat Microsoft die reguläre Wartung für Windows-10 eingestellt. Seitdem gibt es dafür keine kostenlos erhältlichen Sicherheitsupdates mehr, keine Beseitigung von Bugs, keinen technischen Support. Für IT-Abteilungen ist der Umstieg nun ein Projekt mit Fristablauf. So einfach wie einen Mausklick gibt es den Weg dahin natürlich nicht. Hardware, Fachanwendungen, Lizenzen und Personal müssen in einem Gleichgewicht sein.

Ausgangslage: Was das Supportende konkret bedeutet

In vielen Unternehmen sind Büroarbeitsplätze, Notebooks und Spezialrechner noch mit Windows-10 ausgestattet. Solange es keine Updates mehr gibt, werden neu aufgedeckte Schwachstellen ausgespart. Gerade solche Lücken nutzen Angreifer gezielt aus, weil sie wissen, dass diese Schwachstellen auf den entsprechenden Rechnern für immer offen bleiben.

Eine Brücke sind die Extended-Security-Updates (ESU). Die sind für Unternehmen bis zu drei Jahre lang erhältlich, das späteste Enddatum ist der 13. Oktober 2028. Der Preis pro Gerät steigt jährlich. Für das erste Jahr nannte Microsoft 61 Dollar pro Gerät, dann verdoppelte sich der Betrag. Je nach Lizenznehmer und Vertragsform können die Konditionen davon abweichen.

 

Hardwarevoraussetzungen: Was ein Gerät mitbringen muss

Windows-11 hat höhere Anforderungen als sein Vorgänger. Die Mindestvoraussetzungen in der Übersicht:

  • 64-Bit-Prozessor mit mindestens zwei Kernen und 1 GHz Taktfrequenz, der auf der Kompatibilitätsliste von Microsoft steht,
  • 4 GByte RAM,
  • 64 GByte freier Speicher,
  • UEFI-Firmware mit aktivem Secure-Boot,
  • Trusted-Platform-Module (TPM) Version 2.0 sowie
  • Grafik mit DirectX-12 und WDDM-2.0-Treiber-

In der Praxis dürfte die Migration meist am Prozessor scheitern. Faustregel lautet: Geeignet sind Intel-Prozessoren ab 8. Generation und AMD-Ryzen ab Serie 2000. Ältere Geräte fallen oft durchs Raster, obwohl sie im Alltagsbetrieb noch munter zulegen.

Zwei weitere Stolpersteine werden schnell übersehen. Auf vielen Rechnern verbirgt sich im BIOS ein TPM, das nur darauf wartet, aktiviert zu werden. Wieder andere Systeme arbeiten im Legacy-Modus mit MBR-Partitionierung, während Secure-Boot eine GPT-Partitionierung erfordert. Das Problem lässt sich aber mit dem Microsoft-Tool mbr2gpt.exe lösen, das die Umstellung ohne Neuinstallation des Systems erlaubt.

 

Anwendungen und Zeitablauf: Vom Inventar zum Rollout

Bevor der erste Rechner umgestellt wird, ist ein vollständiges Inventar nötig. Darin müssen sämtliche Hardware, installierte Software, Treiber, Peripherie und das Abhängigkeitsgefüge zwischen den Systemen möglichst genau dokumentiert sein. Hier ist es besonders wichtig, auch Fachanwendungen zu betrachten, die seit Jahren nichts anderes als unverändert laufen. Die Hersteller haben bisher nicht für jede Anwendung eine Freigabe für Windows-11 erteilt, und oft sind selbst geschriebene Anwendungen nur mangelhaft dokumentiert.

Microsoft bietet mit dem neuen Programm App-Assure Unterstützung bei der Lösung von Kompatibilitätsproblemen an. Ein Umstieg erfolgt in vier Etappen:

  • Bestandsaufnahme: Welche Geräte und Anwendungen sind vorhanden? Wie groß ist die Umstiegsbereitschaft? Wie viel Geld muss ich für den Ersatzbedarf einplanen?
  • Pilotphase: Fünf bis zehn Prozent meiner Belegschaft aus allen Abteilungen arbeiten mit Windows 11. Hier zeigen sich früh Probleme mit Treibern, Druckern und Fachsoftware.
  • Rollout in Wellen: Die Umstellung erfolgt ringförmig nach Standorten oder Abteilungen. Mit Windows Update for Business oder Windows Autopatch steuert man, wann welche Gruppe welche Version bekommt.
  • Nachsorge: Verbleibende Ausnahmen dokumentieren, Schulungsbedarf erfassen, Richtlinien
  • Nicht vergessen: den Lebenszyklus der Zielversion einplanen. Windows 11 erhält jährlich ein Funktionsupdate. Pro-Versionen werden 24 Monate, Enterprise und Education 36 Monate unterstützt. Wer den Rollout ausgedehnt über viele Monate strecken muss, sollte von Anfang an festlegen, welches Betriebssystem im Unternehmen Standard wird.

 

Alternativen für nicht migrierbare Geräte

Nicht jeder Rechner kommt als aufrüstbar in Frage. Für diese Fälle gibt es einige Wege, die sich je nach Einsatzzweck unterscheiden.

  • ESU als Interimsmaßnahme: Für Einzelfälle, die kurz vor dem Austausch stehen, kann der Kauf der Zusatzupdates wirtschaftlich sein. Er muss allerdings an ein fixes Ausmusterungsdatum gekoppelt werden.
  • Langzeitversionen für Spezialsysteme: Maschinensteuerungen, Messgeräte oder Kassensysteme laufen oft noch unter einer ganz bestimmten Softwareversion. Für solche Fälle hat Microsoft die sogenannten Long-Term-Servicing-Channel-Editionen im Angebot. Windows-10-Enterprise LTSC 2021 erhält Updates bis Januar 2027, die IoT-Variante bis Januar 2032. Der Einsatz ist allerdings an Lizenzbestimmungen gebunden.
  • Virtualisierung: Mit Windows-365 oder Azure-Virtual-Desktop läuft das Betriebssystem in der Cloud. Die alte Hardware wird dann nur noch als Terminal genutzt. Die laufenden Kosten der Nutzung ersetzen die Anschaffungskosten für neue Rechner, die Netzwerkanbindung wird zum kritischen Faktor.
  • Anderes Betriebssystem: Bei Arbeitsplätzen mit Browser und Standardsoftware kommen auch Linux-Distributionen oder ChromeOS-Flex in Frage. Der Schulungsaufwand und die Migration der Anwendungen ist allerdings nicht zu unterschätzen
  • Isolation als letzte Notlösung: Lässt sich ein Altsystem weder ersetzen noch aktualisieren, wird die Netzwerksegmentierung zum letzten Mittel. Das System wird vom Rest des Netzes abgeschnitten, der Zugriff auf das Notwendigste beschränkt und der Datenstrom überwacht. Das reduziert das Risiko, beseitigt es aber nicht.

 

Nächste Schritte zur Umsetzung

Wer noch gar keine Vorarbeit geleistet hat, kann mit wenigen Maßnahmen schnell Struktur gewinnen:

  1. Geräte- und Softwareinventar anlegen und für jedes Gerät die Windows-11-Bereitschaft ermitteln.
  2. Fachanwendungen mit den Herstellern auf Freigaben prüfen und Testfälle definieren.
  3. Budget für Ersatzhardware und eventuell für ESU-Lizenzen schaffen.
  4. Pilotgruppe benennen und Rolloutkalender mit Verantwortlichem erstellen.
  5. Für nicht migrierbare Geräte Enddatum und Lösung dokumentieren.

Je mehr von diesen Punkten jetzt schon geklärt sind, desto weniger Druck entsteht in den letzten Monaten vor dem Auslaufen der ESU-Fristen.