WiFi-7 – Welche Unternehmen benötigen den neuesten Standard wirklich?

Olaf Hagemann, Director of Systems Engineering DACH bei Extreme Networks

Netzpalaver hat mit Olaf Hagemann, Director of Systems Engineering DACH bei Extreme Networks, darüber gesprochen, warum und wann es sich lohnt, auf den neuen WLAN-Standard zu setzen und was Unternehmen bei der Implementierung beachten müssen.

Netzpalaver: WiFi 7, noch schneller, noch mehr Features, noch mehr Bandbreite. Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich aber doch die Frage, ob Unternehmen die neueste WiFi-Evolutionsstufe tatsächlich benötigen, oder?

Olaf Hagemann: Exakt. Die Antwort ist klar und lässt sich in drei Bereiche einteilen. Unternehmen und Organisationen, die bereits mit dem 6E-Standard arbeiten, sind in der Regel sehr gut ausgestattet. Für sie ist ein Umstieg meist nicht relevant, vor allem nicht zeitkritisch. Anders sieht es bei Firmen und Organisationen aus, die von Grund auf ein neues Bürogebäude oder eine komplett neue Infrastruktur planen. Hier kommt ohnehin moderne Hardware zum Einsatz – und dann ist es selbstverständlich sinnvoll, gleich auf WiFi-7 zu setzen. Genauso Unternehmen, die ihre Infrastruktur modernisieren und noch nicht auf 6 GHz umgestellt haben – also noch WiFi-6 oder sogar WiFi-5 verwenden. Hier sollte selbstredend immer der neueste Standard gewählt werden. Schließlich gibt es noch eine dritte Gruppe: Unternehmen mit speziellen Anforderungen, etwa in hochdynamischen Produktionsumgebungen oder datenintensiven Anwendungen. Sie sollten den Umstieg auch dann prüfen, wenn ihr 6E-Netz aktuell problemlos funktioniert.

 

Netzpalaver:  Was bedeutet das im Detail?

Olaf Hagemann: Nun, ein Blick auf die Unterschiede hilft weiter. WiFi-6E lässt sich als die grundlegende Generation vorstellen, die die 6-GHz-Konnektivität eingeführt hat. WiFi-7 stellt die neueste Generation dar, die auf dem 6-GHz-Spektrum aufbaut und zusätzlich die älteren Frequenzbänder nutzt. Aus Unternehmenssicht bedeutet dies, dass die IT so eine größere Anzahl von Geräten, Benutzern und bandbreitenintensiven Anwendungen unterstützen kann und gleichzeitig Anwendungen mit geringer Latenz bedient.

 

Netzpalaver:  … und aus technischer Sicht?

Olaf Hagemann: WiFi-7 bringt einige neue Funktionen mit sich. Multi-Link Operation (MLO) ermöglicht es zum Beispiel, dass ein Gerät gleichzeitig das 5-GHz- und das 6-GHz-Band „überwachen“ und jeweils das weniger ausgelastete nutzen kann. Das reduziert die Latenz erheblich. Die neuen 320-MHz-Kanäle lassen sich mit einer breiteren Autobahnspur vergleichen: Mehr Daten können die „Fahrbahnen“ gleichzeitig nutzen, was höhere Geschwindigkeiten und einen besseren Durchsatz ermöglicht. Ebenfalls interessant ist Preamble-Puncturing. Das funktioniert ähnlich wie Expressspuren auf einem US-amerikanischen Highway: Preamble-Puncturing ermöglicht es, nur den störungsfreien Teil eines Funkkanals zu nutzen, anstatt den gesamten Kanal zu blockieren. So bleibt die Verbindung auch bei belegten Frequenzabschnitten schneller und stabiler.

 

Netzpalaver: Wer braucht so etwas?

Olaf Hagemann: Da sind wir wieder bei Ihrer Eingangsfrage: Die genannten Funktionen aus WiFi-7 treiben die technologische Entwicklung und Innovation voran. Bereits heute kann sich das für Unternehmen, die stark auf künstliche Intelligenz (KI), Augmented-Reality (AR), Virtual-Reality (VR) und Industrie-4.0-Lösungen setzen oder planen, darauf zu setzen, sehr stark lohnen. Hier ermöglicht WiFi-7 den mitunter entscheidenden Vorsprung für die Nutzung. Und ja, auch wenn diese Firmen bereits auf den 6E-Zug aufgesprungen sind: Sie sollten die neue Technologie, wie bereits erwähnt, zumindest prüfen.

Netzpalaver:  Apropos Vorsprung: Ist WiFi-7 überhaupt noch aktuell genug, oder sollte man im Unternehmen bereits die nächste Generation thematisieren?

Olaf Hagemann: Wie wir es heute beurteilen können, ist der Sprung von WiFi-7 zu WiFi-8 derzeit noch überschaubar. Unternehmen, die eine Aktualisierung planen, sollten nicht auf WiFi-8 warten, denn bis zur Verfügbarkeit entsprechender Geräte dürfte es noch eine Weile dauern. Bei noch in der Planungsphase befindlichen Neubauten kann es je nach Zeitplan sinnvoll sein, direkt auf WiFi-8 zu setzen, sobald verfügbar. Für alle anderen Unternehmen gilt: WiFi-7 ist aktuell und bietet für viele Szenarien schon heute spürbare Vorteile. Wer keinen akuten Investitionsbedarf hat, kann den nächsten Modernisierungsschritt in Ruhe planen.

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