Wie misst man die WLAN-Geschwindigkeit im Unternehmen?

Es gibt viele Möglichkeiten, die Geschwindigkeit eines drahtlosen LANs (WLAN) zu bewerten. Dabei ist es belanglos, ob man versucht, aufgetretene Probleme zu beheben, sicherzustellen, dass bandbreitenintensive Clients funktionieren, die Leistung feinabzustimmen oder einfach nur dokumentieren will, wie hoch die  Übertragungsgeschwindigkeit im Funknetz ist. Eine kurze Anleitung zum Testen der Geschwindigkeit von WLAN-Verbindungen.

Die einfachen Apps zur Messung der Internetgeschwindigkeit von Websites kann man zur Ermittlung der Durchsätze des WLANs heranziehen, aber manchmal muss man jedoch den tatsächlichen WiFi-Durchsatz messen. Hierfür benötigt man in der Regel eine Testplattform auf Basis eines Clients und Servers.

 

Vorbereitungen für den WLAN-Tests

Bevor man einen Durchsatztest  durchführt sollte man sich darüber Gedanken machen, was man mit diesem Test erreichen will. Die Beantwortung dieser Fragen hilft hierbei sicher weiter:

  • Wurde sichergestellt, dass sich die WLAN-Signale, das Rauschen und die Störungen im gesamten Abdeckungsbereich des Funknetzes auf einem akzeptablen Level befinden?
  • Soll der gesamte Funkbereich getestet werden oder ist nur eine Problemzone von Interesse?
  • Welche aktuellen Durchsatzraten benötigen die eingesetzten WLAN-Clients und -Anwendungen?
  • Müssen die geplanten Tests mit bestimmten Clients und bestimmten Access-Points durchgeführt werden?
  • Soll zwischen einem Wireless-Client und einem kabelgebundenen Server oder zwischen zwei Wireless-Clients getestet werden?
  • Sollen die Tests nur mit einem einzelnen Gerät oder mit mehreren Geräten durchgeführt werden?

Werden bei den Tests auch die aktuellen WiFi-Standards (802.11ac, 802.11ax usw.) berücksichtigt? Hierbei sind die Anzahl der Sender und Empfänger an den Access-Points (4×4, 8×8) und andere Spezifikationen und Einstellungen der APs und Clients zu berücksichtigen, die die WLAN-Performance beeinflussen. Werden auf den Teststrecken auch Netzwerkinfrastrukturen auf Basis von Kabeln und Switches zwischen APs und Testservern genutzt, ist sicherzustellen, dass diese Infrastrukturen korrekt arbeiten und die notwendigen Durchsatzgeschwindigkeiten (Ethernet) garantieren. Dies ist umso wichtiger, je weiter sich die Geschwindigkeiten der WLANs den Gigabit-Durchsätzen nähert.

 

Kostenlose WLAN-Testwerkzeuge für Laptop, Smartphone oder Tablets

Es gibt viele Test-Apps für Windows, MacOS, Android- und iOS-Geräte. Wird nach einer Testplattform auf Unternehmensebene für den langfristigen Einsatz gesucht, sollten man beispielsweise „IxChariot „(https://www.keysight.com/de/de/products/network-test/performance-monitoring/ixchariot.html) von Ixia in Betracht ziehen. Wenn jedoch nur einmalige Tests durchzuführen sind, sollten die im Internet verfügbaren kostenlosen Testmöglichkeiten genutzt werden.

  • Der Expert-Speed-Test-WiFi-Analyzer (https://analiti.com) stellt eine App für Systeme auf Android und Amazon-Fire zur Verfügung. Die Basisversion ist kostenlos, Upgrades für zusätzliche Funktionen oder die Möglichkeit zur Entfernen von Werbung sind ebenfalls erhältlich. Das Werkzeug bietet dem Nutzer eine Reihe von WiFi-Analyse-Tools sowie Internet- und Netzwerk-Geschwindigkeitstester. Die App unterstützt sowohl den Server- als auch den Client-Modus. Daher lassen sich Client-zu-Client-Verbindungen und auch Client zu iPerf3-Server eines Drittanbieters testen.
  • „IPerf2“ (https://sourceforge.net/projects/iperf2/) ist ein kostenloses Open-Source-Projekt und bietet eine Server-Client-App für Windows und MacOS sowie eine Client-Testing-App für Android. Dieses Testwerkzeug kann auch im Server-Modus verwendet werden, um Client-zu-Client-Tests durchzuführen. Es handelt sich um eine befehlszeilenbasierte App und stellt die für den Einsatz notwendige Dokumentation in Form von MAN-Pages über einen Hilfebildschirm in der mobilen App bereit.
  • Throughput-Test-Client (https://www.tamos.com/products/throughput-test/) von Tamosoft bietet Testserver-Client-Software für Windows und MacOS mit einfachen Client-Test-Apps für Android oder iOS. Die mobilen Apps haben jedoch keine Serverfunktionalität, sodass man gegen die Serversoftware auf einem Windows- oder MacOS-Rechner testen muss.

 

Expert-Speed-Test-WiFi-Analyzer (Quelle: analit.com)

Erfassen der WLAN-Geschwindigkeiten, während man das Netzwerk vermisst

Soll die WLAN-Abdeckung überprüft und Interferenzen gemessen werden, kann man gleichzeitig den Durchsatz des WLANs mit den Software-Lösungen wie „AirMagnet Survey „(https://www.netally.com/products/airmagnet-survey-pro/), Ekahau (https://www.ekahau.com) oder Tamograph (https://www.tamos.com/products/wifi-site-survey/) messen. Dies bietet den Vorteil, dass die von der Software ermittelten Durchsatzergebnisse einem Abdeckungsbereichs des Funknetzes zugeordnet wird. Zusätzlich wird die Leistung im gesamten Netzwerk grafische dargestellt und nicht nur die Performance einer Handvoll ausgewählter Standorte.

Um die WLAN-Abdeckung zu verifizieren und eventuell auftretende Interferenzen zu ermitteln reichen normalerweise passive Messungen mit diesen Werkzeugen aus. Die Messung des Durchsatzes erfordert eine aktive Erhebungen der Daten. Der Wireless-Client muss sich für die Messung aktiv mit einem Netzwerk verbinden. Die meisten Performance-Tools sind in der Lage, während der Ermittlung der Netzabdeckung auch Durchsatztests gegen einen auf der kabelgebundenen Seite eingerichteten Server durchzuführen. Darüber hinaus ermöglichen diese Werkzeuge auch die Durchführung einer passiven Vermessung mit einem WLAN-Adapter und einer aktiven Messung mit einem anderen Adapter, sodass gleichzeitig unterschiedliche Daten ermittelt werden können.

 

Überwachung der WLAN-Geschwindigkeit auf Basis von Sensoren

Soll die WLAN-Performance ständig im Auge behalten werden, sollten sogenannte WLAN-Sensoren im Netzwerk installiert werden. Dadurch wird das WLAN auf Basis der Perspektive eines WLAN-Clients überwacht. Zusätzlich zur Ermittlung der Durchsätze zum jeweiligen Access-Point (AP) in Sende- bzw. Empfangsrichtung können die Sensoren die festgelegten SLAs überwachen und bei Problemen entsprechende Alarme auslösen. In einigen Fällen geben die integrierten Timing-Tests detailliert Auskunft über die WLAN-Assoziierungs- und Authentifizierungsprozesse geben.

 

Hybrid-Cloud bietet die Grundlage für Edge-Computing

Eine Hybrid-Cloud muss sicherstellen, dass die Anwendungsdienste und Infrastrukturen am Edge verfügbar sind. Obwohl die genaue Funktionalität der Durchsatztests von Sensor zu Sensor variiert und diese vielleicht nicht die beste Lösung für einmalige Tests bereitstellen, bieten solche Lösungen jedoch wesentlich mehr Funktionen als nur Geschwindigkeitstests. Einige Lösungen ermöglichen die Überwachung der Netzwerk- und Cloud-Dienste (z. B. DHCP, DNS, AAA, benutzerdefinierte Anwendungen und Server). Diese Tests übernehmen dabei die Benutzerperspektive vor Ort und nicht die eines Servers oder der Cloud. Die folgenden drei Sensoren eignen sich hierfür:

Von Mathias Hein, Consultant