Die Besonderheiten industrieller Informationssysteme in puncto Sicherheit

 Pierre-Yves Hentzen, CEO Stormshield
Pierre-Yves Hentzen, CEO Stormshield

Das Thema Cybersicherheit war 2017 für viele Industrieunternehmen auf der Tagesordnung. Hackerangriffe auf Informationssysteme machten Schlagzeilen. Sie zeigten vielen, dass man selbst eventuell auch angreifbar ist. Um die Sicherheit der Industriesysteme zu gewährleisten, sind geeignete Maßnahmen erforderlich, sowohl in Bezug auf die IT-Infrastruktur als auch auf die OT-Integrität. Die Zuverlässigkeit ist dabei von zentraler Bedeutung und hat oftmals größeren Einfluss als die IT, weil sie sich auf die Integrität des Eigentums und natürlicher Personen auswirken kann.

Die Besonderheiten industrieller Informationssysteme
Informationssysteme von produzierenden Unternehmen unterscheiden sich von denen anderer Wirtschaftszweige. Dadurch werden Sicherheits- und Schutzmaßnahmen erforderlich, die eine geschäftsspezifische Logik integrieren. So bieten herkömmliche, funktionsübergreifende Sicherheitslösungen kein entsprechendes Sicherheitsniveau für diesen Bereich. Es ist ratsam, dass die Verantwortlichen in der Industrie vor dem Start eines neuen Projektes erfahrene Experten hinzuziehen. Denn um den besonderen Anforderungen des industriellen Sektors geeignet zu begegnen, sollte der Anbieter über die erforderlichen Skills und das Know-how verfügen.

Die einheitliche Gestaltung eines Projekts vereinfacht die Verwaltung der eingesetzten Systeme – insbesondere bei der Administration von Lösungen. So lassen sich zudem Synergien zwischen den verschiedenen IT- und Business-Teams, die an der Sicherung von Informationssystemen und der industriellen Infrastruktur beteiligt sind, entwickeln. Um Effizienzeinbußen zu vermeiden, reichen jedoch die Cybersecurity-Skills hier oft nicht aus.

Neue Industrieallianzen
In Hinblick auf die speziellen Anforderungen der Industrie hat sich in jüngster Zeit ein Ökosystem entwickelt, das sich mit dem Schutz industrieller Informationssysteme auseinandersetzt. Aus einer Reihe von Playern am Markt haben sich ergänzend technische und kommerzielle Allianzen gebildet, die ihre Stärken vereinen, um Systeme mit einem hohen Mehrwert zu entwickeln. Daraus resultierende Angebote sind entsprechende Lösungen, deren Integration, umfassende Beratung sowie Schulungen etc. Von diesen Initiativen profitiert der Markt, denn sie bringen auf europäischer Ebene neue Experten auf diesem Gebiet hervor.

Regulatorische Anforderungen und politisches Bewusstsein
Mit dem Bewusstsein für diese strategische Herausforderung haben sich auch die Gesetzgeber mit dem Thema auseinandergesetzt. Nationale und europäische Gesetze machen deutlich, dass die Sicherung industrieller Informationssysteme eine absolute Notwendigkeit ist. In Frankreich beispielsweise wurde ein spezielles Gesetz erlassen, das CNIs (Critical National Infrastructures) verpflichtet, sensible Systeme vom Rest des Informationssystems zu trennen. Dabei stützen sie sich auf Lösungen, die von ANSSI, Frankreichs Nationaler Agentur für Sicherheit der Informationssysteme, qualifiziert wurden. Die betroffenen Unternehmen sind verpflichtet, die zur Einhaltung des Gesetzes erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Einige Bestandteile dieses Gesetzes finden sich auch in der europaweiten NIS-Richtlinie wieder, die 2018 auf die wesentlichen und kritischen europäischen Infrastrukturen angewandt werden muss.

Vor diesem Hintergrund sowie dem Bewusstsein des stetigen Wachstums von IoT- und Industrie 4.0-Systemen müssen Fachleute im Industriesektor ihre IT-Sicherheitsstrategie grundlegend überdenken. Ein solches Projekt lässt sich nur mit der Unterstützung von erfahrenen Experten erfolgreich umsetzen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass der Cybersicherheitssektor weiterhin Lösungen entwickelt, um diesen Bedrohungen geeignet zu begegnen. Aber es ist vielleicht noch wichtiger, dass weitere neue Allianzen entstehen, damit sich Industrieorganisationen in einer wirklich sicheren Umgebung weiterentwickeln können.

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